Der Teufel möglicherweise

NO COUNTRY FOR OLD MEN
von Joel u. Ethan Coen, USA 2007, 122 Min.
mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly MacDonald. Nach dem Roman von Cormac McCarthy
Thriller / Start: 28.02.2008 / Note 2+

Nach dem mißglückten Remake von »Ladykillers und dem belanglosen »(un)möglichen Härtefall« sind die Coen Brüder wieder zu ihrem Lieblingsgenre zurückgekehrt, dem des Thrillers, das sie mit einer gehörigen Portion bitterem Sarkasmus verbinden.
»No Country for Old Men«, ihr neues Werk, knüpft an ihren Erstling »Blood Simple« und an »The Big Lebowski«.

Mit einem blutigen Vorspiel, einem Paradebeispiel für eine gelungene Krimiszene, beginnt »No Country for Old Men«. Es ist die Selbstbefreiung eines grusligen Mannes, den ein junger Hilfssheriff festgenommen hatte und der im weiteren Verlauf die Rolle des Bösen spielen wird.
Nicht weit davon, irgendwo in der texanischen Einöde, findet der herumstreunende Llewelyn Moss (Josh Brolin) ein paar Autos, zwischen denen mehrere Leichen liegen. Hier ist anscheinend ein Drogendeal geplatzt.
Einer der Beteiligten lebt noch und verlangt nach Wasser. Llewelyn schnappt sich einen prallen Geldkoffer, der keinen Abnehmer gefunden hat, und verschwindet. Doch weil er ein gutmütiger Kerl ist, kehrt er am Abend mit einem Wasserkanister an den Tatort zurück – und wird prompt von der Nachhut der Gangster entdeckt.
Llewelyn, der mit der Flinte auf der Jagd nach einem leckeren Braten unterwegs war, wird jetzt selbst zum Gejagten.
Fehler machen die Helden in den Filmen der Coens häufig, und oft gehen sie tödlich aus. Die netten Kerle haben Überlebenschancen. Llewelyn könnte einer von ihnen sein, in seiner Rolle als Gejagter vielleicht ein bißchen zu abgebrüht, um unsere ungeteilte Sympathie zu finden. Die Coens halten zwar Distanz zu ihren Figuren, daraus resultiert ihr rabenschwarzer Humor, aber nicht zuviel, sonst wäre etwa dieser Film nicht so spannend geworden.
Man wünscht, daß Llewelyn mit heiler Haut davonkommt. Immerhin hat er versucht, seine Frau in Sicherheit zu bringen, und er hat mit dem Sheriff Bell (Tommy Lee Jones) auch einen Sympathisanten unter seinen Verfolgern.
Nur daß der Sheriff alt geworden und dies nicht mehr seine Welt ist,. in der er für Ordnung sorgen soll.
Der gefährlichste Jäger unseres Helden ist Anton Chigurh, gespielt von einem graugeschminkten Javier Bardem. Ein wahnsinniger Killer, ein wahrer Albtraum, der mit einem Bolzenschußgerät seine Mitmenschen reihenweise ins Jenseits befördert. Er ist der Teufel, möglicherweise.

»No Country for Old Men« ist auch – bei aller Spannung – ein Kommentar zum Verfall der amerikanischen Gesellschaft und der westlichen im Allgemeinen, und er ähnelt hierin »Im Tal von Elah«, dem anderen aktuellen Film, in dem Tommy Lee Jones eine Hauptrolle spielt.
Weil sie ihre düstere Bestandsaufnahme in eine äußerst unterhaltsame Geschichte von Geldgier und Skrupellosigkeit gepackt haben, wurden die Coen-Brüder zu recht mit acht Oscarnominierungen belohnt.

Claus Wecker

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