Einsamer Wohltäter

SIEBEN LEBEN (Seven Pounds)
von Gabriele Muccino, USA 2008, 123 Min.
mit Will Smith, Rosario Dawson, Michael Ealy, Barry Pepper, Woody Harrelson
Drama / Start: 08.01.2009 / Note 2-

Ein Mann, der Selbstmord begehen will, ruft den ärztlichen Notdienst an. In einer Rückblende sieht man, wie er über den Verlust seiner Frau trauert und versucht, seinem Leben einen neuen Sinn zu geben. Gott habe die Welt in sieben Tagen erschaffen, und er seine Welt in sieben Sekunden zerstört. Und am Ende wird aus dem einsamen Wohltäter ein überlebensgroßer Held.

Ein europäisches Arthaus-Thema à la americaine. Bis zum Schluß spielt »Sieben Leben« mit verdeckten Karten. Erst dann erfahren wir, wie Ben Thomas seine Welt zerstört hat und welches Konzept er zur Sühne verfolgt. Man könnte dem Film vorwerfen, daß er seine Zuschauer lange im Unklaren läßt, aber ein Film, der bei vielen beschaulichen Momenten bis zum Ende spannend bleibt, kann nicht schlecht sein.

»Sieben Leben« ist eine Tragödie mit den Rätseln eines Krimis. In Hollywood läßt man bei solch ungewöhnlicheren Projekten gerne Europäer auf den Regiestuhl. Der Italiener Gabriele Muccino hat mit seinem Hollywood-Erstling »Das Streben nach Glück« (The Pursuit of Happyness) gezeigt, daß er ins amerikanische Kino einen Schuß italienischen Neorealismus (arbeitsloser Vater mit kleinem Sohn) erfolgreich einschmuggeln kann. Und seine Zusammenarbeit mit dem Star Will Smith verlief offenbar auch recht erfreulich.

Will Smith hat in »Sieben Leben« die Aufgabe, den Film nicht in Selbstmitleid versinken zu lassen. Und die erledigt er mit seinem umwerfendem Charme bravourös. Er verkörpert perfekt den Steuereintreiber Ben Thomas, der sich weniger um das ausstehende Geld als um den Charakter der säumigen Zahler zu kümmern scheint und, wenn er in einem von ihnen einen guten Menschen erkennt, schnell Aufschub gewährt.

Ben Thomas ist aber bei all seinen Versuchen, herauszufinden, ob die Menschen, die er besucht, Hilfe verdienen, eine einsame Figur. Und mit der bezaubernden Emily Posan (Rosario Dawson), die an einem Herzfehler leidet und eine Herztransplantation benötigt, kommt es schließlich zu tieftraurigen Liebesszenen zwischen einem Mann, dessen Herz gebrochen ist und der sich nicht öffnen kann, und einer Frau, deren Herz zu versagen droht. Szenen, die selbst den hartgesottenen Filmkritiker zu Tränen rühren.

Der Schluß hält die Auflösung des Film-Puzzles bereit, in dem einiges nicht zusammenzupassen schien. Verraten wird hier nur, daß die Guten wie im Märchen fürstlich belohnt werden.
Claus Wecker

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