Ein gut bezahlter Job

Als Regisseur von Soft-Sex-Filmen ist Yojiro Takita bekannt geworden, 20 Spielfilme soll er in 20 Jahren gedreht haben, darunter schwarze Komödien, Fantasy-Filme und historische Dramen. Sein Film »Nokan – Die Kunst des Ausklangs« ähnelt zwar in manchen Szenen einer schwarzen Komödie, ist aber insgesamt ein ungewöhnlicher Film, der sich mehr auf das klassische japanische Kino als auf den modernen Genre-Film bezieht.

Takita erzählt nach dem Drehbuch von Kundo Koyama die Geschichte des jungen Mannes Daigo, der mit seiner reizenden Ehefrau Mika, in das Haus seiner verstorbenen Mutter im abgelegenen Norden Japans zieht. Nicht ganz freiwillig, denn das Orchester, in dem Daigo gerade eine Stelle als Cellist bekommen hatte, ging pleite. Aber das Schicksal scheint sich zu wenden. Am neuen Ort winkt Daigo ein glänzend bezahlter Job. Dumm ist allerdings, daß im Zeitungsinserat statt »letzte Reise« nur »Reise« stand. So wird aus dem vermeintlichen Reisebüro ein Bestattungsunternehmen, was auch den hohen Lohn erklärt. Der kantige Chef findet Daigo so sympathisch, daß er ihn, ohne zu zögern, angestellt hat, und Daigo erholt sich schnell vom ersten Schreck.
Fortan ist er Zeremonienmeister bei den Totenfeiern. Unter einem großen Tuch wäscht er vor den Trauergästen den Leichnam, kleidet ihn ein und richtet Gesicht und Haare. Es entsteht ein Kunstwerk, das, kaum fertiggestellt, im Krematorium verbrannt wird.
Als westlicher Zuschauer akzeptiert man schnell dieses würdevolle japanische Ritual und ist um so erstaunter, wenn die schwangere Gattin Mika ausflippt, als sie erfährt, welche Arbeit ihr Mann verrichtet. Er sei unrein und müsse sich schämen, wenn er dem gemeinsamen Kind von seinem Beruf erzähle. Sofort kündigen müsse er. Daigo will darauf nicht eingehen, und Miko verläßt zunächst das Haus, kehrt aber bald wieder zurück. Unterdessen wird es bei dem Bestattungsunternehmer Sasaki immer familiärer. Daigo soll etwas auf seinem Kinder-Cello vorspielen. Er erzählt, daß der Vater ihn zum Cellospiel gezwungen habe. »Gut«, sagt Herr Sasaki, der sich darauf freut, zum ersten Mal ein Cello live zu hören. Es ist kurz vor Weihnachten; man werde auch ein christliches Musikstück vertragen.
Der Chef wird zum Vater-Ersatz für Daigo, der von seinem Erzeuger früh verlassen wurde und seither nicht gut auf ihn zu sprechen ist. Der Film zeigt, daß zum Leben nicht nur der Tod, sondern auch das Vergeben gehört. Und er ist wunderbar zwischen meditativ-traurigen und komischen Momenten ausbalanciert. Es heißt, daß sich kein Regisseur in Japan an den Stoff herantraute. Yojiro Takita wagte es, gewann mehrere japanische Filmpreise und schließlich den Oscar für den besten nicht englischsprachigen Film.
Tom Zwicker

NOKAN - DIE KUNST DES AUSKLANGS (Okuribito/Departures)
von Yojiro Takita, Japan 2008, 131 Min.
mit Masahiro Motoki, Tsutomu Yamazaki, Tsutomu Yamazaki, Tsutomu Yamazaki, Kimiko Yo, Takashi Sasano
Drama / Start: 26.11.2009 / Note 2
Filmtip

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