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»Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling«. Der Titel klingt nach einer Meditationsübung. Also Augen auf und ganz entspannt zurücklehnen. Kim Ki-Duks vorletzte Regiearbeit, die jetzt in die Kinos kommt, lehrt uns zuerst das Sehen.
Und schöne Bilder gibt es allemal. Da ist zuerst der Ort, an dem der Film spielt: ein von Bergen umschlossener See mit einem Holzhaus, einer Art Tempel, in der Mitte. Hier lebt in doppelter Abgeschiedenheit ein älterer buddhistischer Mönch mit seinem Schüler.
Der Film zeigt verschieden Lebensphasen des Schülers (und seines Meisters) in bestimmten Jahreszeiten. In der ersten Episode (»Frühling«) ist der Schüler ein kleiner Junge, der von dem Mönch erzogen werden soll. Der Ersatzvater schickt den Jungen ans Ufer, um Kräuter zu sammeln. Doch der Kleine vertreibt sich mit kleinen sadistischen Spielchen die Zeit: er bindet nacheinander einem Fisch, einem Frosch und einer Schlange eine Schnur um, an der er einen Stein befestigt hat. Der Mönch, der unbemerkt das Treiben seines Zöglings beobachtet hat, bindet in der folgenden Nacht dem schlafenden Jungen einen schweren Stein auf den Rücken. Am nächsten Morgen soll er die Tiere suchen und von ihrer Last befreien. Erst dann wird auch ihm der Stein abgenommen.
»Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu!« Der Kantsche Imperativ auf koreanisch: eine praktische Lektion fürs Leben.
Im zweiten Kapitel (»Sommer«) lernt der Schüler, der mittlerweile zu einem jungen Mann herangewachsen ist, die Liebe kennen. Er schlägt die Warnungen seines Lehrers in den Wind und folgt seiner Geliebten, kehrt im dritten Teil (»Herbst«) reumütig zurück und nimmt schließlich als geläuterter Mann im »Winter« den Platz des unterdessen verstorbenen Lehrers ein. Als ihm ein kleiner Junge gebracht wird, geht er noch einmal den Berg hinauf, an dem er als Kind die Tiere gequält hat. Eine Szene, die wohl allegorisch zu sehen ist, denn seine Sorge müßte dem hilflosen Kleinen gelten, der ihm gerade anvertraut wurde. Im »Frühling« ist er schließlich selbst Lehrer und Meister geworden.
Wie in »The Isle« (2000) ist der Ort der Handlung ein abgelegener See, doch diesmal hat Regisseur Kim Ki-duk auf jede Gewaltszene verzichtet. Auf den unvermittelten Einbruch der Gewalt in vielen koreanischen Filmen angesprochen, gibt er ausweichende Antworten. Kim Ki-duk, der seinen neuen Film »Samaria« auf der Berlinale vorstellte und prompt den Silbernen Regie-Bären gewann, sagt von sich, er selbst sei in der Phase des Winters. In seinem neuesten Film zeigt er nur noch die Auswirkungen der Gewalt, ganz gelassen, buddhistisch, könnte man sagen.
Claus Wecker
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