Italienische Einwanderer im Australien der fünfziger Jahre: nicht die Mafia ist das Problem, sondern ein Überschuß an Männern im heiratsfähigen Alter. »Eine italienische Hochzeit« zeigt, wie beim Versuch, das Problem zu lösen, ein noch größeres Problem entsteht.
Das »Café Latino« ist der Treffpunkt der italienischen Kolonie in der australischen Provinz. Hier ist das Glück vollkommen, als die originale Espressomaschine aus der Heimat eintrifft. Bevor sie in Gang gesetzt wird, segnet sie der Priester, und ein bißchen unwillig, aber schließlich doch ganz christlich verzichtet derselbe Priester auf die erste Tasse des köstlichen Getränks. Der Dorfälteste, der schon Jahrzehnte ohne Espresso auskommen mußte, darf als erster den Kaffee schlürfen. Tradition wird hochgehalten, auch wenn sie den Menschen das Leben nicht immer erleichtert.
Nehmen wir beispielsweise den Neffen des Café-Besitzers: Gino (Adam Garcia) ist ein hübscher, unkomplizierter junger Mann, der sich über mangelnden Zuspruch der Damen nicht zu beklagen braucht. Sofort würde sich seine attraktive Freundin Connie mit ihm vermählen, wenn es da nicht die Regel gäbe, daß der ältere Bruder zuerst heiraten muß.
Ginos älterer Bruder Angelo (Giovanni Ribisi) ist nun ein besonders schwerer Fall. Sein Verhalten ist mit dem Wort »schüchtern« noch höflich umschrieben. Angelo hätte schon seine Schwierigkeiten, eine Partnerin zu finden, wenn die Anzahl der Männer und Frauen in einem ausgewogenen Verhältnis stünde. Bei einem Männerüberschuß wird seine Lage praktisch hoffnungslos.
Für Gino kein Grund, sich von seinem Bruder zu distanzieren – das ist die gute Seite der Traditionsgebundenheit. Gino drängt den zögernden Angelo, es mit einer Heiratsvermittlung in Italien zu versuchen. Als Angelo schließlich der schönen Rosetta (Amelia Warner) einen Antwortbrief nach Italien schicken soll, legt er kurzentschlossen anstatt seines eigenen ein Bild des gutaussehenden Gino bei.
Rosetta beißt an und willigt in die Hochzeit ein, die sofort halb in Italien und halb in Australien stattfindet. (Tatsächlich gestattete die katholische Kirche Fernheiraten in besonderen Fällen; doch könnte man sich in diesem Fall auch ein festes Eheversprechen und eine spätere Eheschließung in Australien vorstellen.)
Wie auch immer: Angelo heiratet in Australien ohne Braut an seiner Seite und Rosetta in Italien ohne Bräutigam – eine bemerkenswerte Szene. Und das dicke Ende kommt, als Rosetta in Australien eintrifft und erfährt, daß sie nicht den Mann auf dem Bild, sondern dessen linkischen, unattraktiven Bruder geehelicht hat.
Drehbuchautor Jan Sardi hat schon mit »Shine – Der Weg zum Licht«, der Geschichte eines Pianisten, der nach einem Nervenzusammenbruch zehn Jahre nicht öffentlich auftreten konnte, bewiesen, daß man aus einem tragischen Stoff optimistisches Kino machen kann. In seinem Regiedebüt, für das er wiederum das Drehbuch schrieb, liefert eine aussichtslos scheinende Verwicklung den Anlaß für eine leichte Sommerkomödie. »Eine italienische Hochzeit« ist ein Film der Gesten und Blicke, glänzend gespielt und amüsant anzuschauen (vor allem die Zuschauerinnen haben ihren Spaß an den beiden männlichen Kontrastfiguren). Ein bißchen altmodisch wirkt der Film vielleicht im Vertrauen auf das Gute im Menschen, aber Pessimisten gibt es ja genug – nicht nur unter den Drehbuchautoren.
Claus Wecker
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