Silent Waters

SILENT WATERS - Khamosh Pani
von Sabiha Sumar, F/D/Pak. 2003, 105 Min. mit Kirron Kher, Aamir Malik, Shilpa Shukla, Arshad Mahmud, Salman Shahid, 
Historiendrama
Start: 02.09.2004
Note: 2-
1979 in einem pakistanischen Dorf nahe der indischen Grenze: die Witwe Veero gibt Koranstunden, während ihr siebzehnjähriger Sohn Saleem weiß nicht recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Langsam wird das verträumte Muttersöhnchen in islamistische Kreise gezogen, die dazu beigetragen haben, daß sich Diktator Zia ul-Haq an die Macht putschen konnte.

Die Leute hören mir zu!« so beschreibt Saleem, der zornige junge Mann, seine Motivation. Er fordert vor allem anderen Respekt: doch die Ehre der Männer bedeutet in dieser Gesellschaft die »Ehre« ihrer Frauen. Veero ist von der Hetze der Fundis, die sich »die Reinen« nennen, nicht nur wegen ihres Sohnes betroffen. Sie hütet ein furchtbares Geheimnis, das auf den indisch-pakistanischen Krieg des Jahres 1947 zurückgeht. Anhand eines exemplarischen Schicksals zeichnet die herzzerreißende Tragödie die islamistische Einflußnahme in Pakistan nach. Fundamentalistische Eckensteher lungern im Dorf herum, bedrohen Ladenbesitzer, die nicht zur Gebetsstunde schließen wollen, mauern die Mädchenschule ein, geben sich mal als asketische Propheten, mal als schießwütige Randalierer: eine religiös-rassistische Truppe, die einem kalte Schauer über den Rücken jagt. »Wie Rauch durch die Ritzen« kroch damals die Islamisierung herein, kommentiert die pakistanische Regisseurin ihren aufklärerischen Film. Der trägt zum tieferen Verständnis des Al-Qaida-Phänomens bei und entlarvt letztendlich die Agitation der Fusselbärte als konkrete Verschwörung gegen die Frauen. Vor allem aber erinnert dieses mutige Drama, das in Locarno den Goldenen Leoparden gewann, an die tabuisierten Frauenschicksale im Schatten der Kriege: Filme wie diesen kann es gar nicht genug geben. 

Birgit Roschy