| Bilder eines Außenseiters |
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BILLY ELLIOT - I WILL DANCE von Stephen Daldry, GB 2000, 111 Min. mit Julie Walters, Jamie Bell, Jamie Draven, Gary Lewis, Jean Heywood Drama Start: 30.11.2000 - Note: 2 |
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I m Jahr 1984 beschloß die Thatcher-Regierung die Schließung von unrentablen Kohlegruben und beschleunigte damit den Weg in die Dienstleistungsgesellschaft. (Es kam also etwas anders, als es sich George Orwell in seiner Zukunftsvision vorgestellt hatte.) Die betroffenen Kumpel reagierten mit Streik. Da setzt die fiktive Geschichte ein, die der Film erzählt: Familienvater Elliot (Gary Lewis), dessen Frau früh verstorben ist, steht mit seinem ältesten Sohn Tony (Gary Lewis) Streikposten. Der kleine Billy Elliot (Jamie Bell) kümmert sich um die verwirrte Großmutter, wenn er nicht in der Schule ist.Billy lernt also schon in jungen Jahren das Leben von seiner harten Seite kennen. Damit er ein richtiger Mann wird, opfert der Vater seine letzten Schillinge und verordnet ihm Boxunterricht. Die eigenen Handschuhe gibt Mr. Elliot dem Sprößling gleich als Familienerbstück mit. Doch der sensible Billy ist für den Kampfsport nicht so richtig geeignet. Da trifft es sich gut, daß nebenan die Mädchen Ballettunterricht bekommen. Billy auf der Suche nach anderen Bewegungsmöglichkeiten, macht ein paar Schritte nach und wird als neues Talent von der Ballettlehrerin entdeckt. Fortan ist die Karriere als Außenseiter vorgezeichnet. Die Ballettschuhe werden unter der Matratze versteckt – der Vater glaubt weiterhin, daß der Sohn boxen lernt. Ballett ist nur etwas für Mädchen oder Schwule. Sein Sohn im Begriff, ein Schwuler zu werden, das hätte ihm gerade noch gefehlt. Als Mr. Elliot herausfindet, auf welchen »Abwegen« sein Billy wandelt, ist er entsetzt. Er verbietet die Ballettstunden und bekommt es mit der Lehrerin (Julie Walters) zu tun, die gegen seine Vorurteile angeht. Die Geschichte birgt also eine Menge Zündstoff, wie man sieht. Aber ein gut ausgearbeitetes Drehbuch macht allein noch keinen bemerkenswerten Film. Zu einer besonderen Qualität verhelfen »Billy Elliot – I Will Dance« vor allem seine Bilder. Der Junge im Sportdress zwischen den Mädchen im Ballettkleid. Seine zunächst etwas linkischen, später immer dynamischer werdenden Bewegungen. Es sind die einzigartigen Bilder, die sich dem Zuschauer einprägen. Bilder, die Außenseitertum direkt veranschaulichen. Die Sprache der Träume sei der Dialekt des Films, sagt Theatermann Stephen Daldry. Er hat bei seiner ersten Spielfilminszenierung große Sorgfalt in die Arbeit mit den Schauspielern gelegt. Ein beachtliches Darstellerdebüt gibt der heute 14-jährige Jamie Bell, der aus 2000 Jungen ausgewählt wurde. Seine Geschichte ähnelt der des Filmhelden, den er spielt. Auch er stammt aus Nordengland, und auch er hat seine Tanzversuche seinen Klassenkameraden verheimlicht. Damit ist es spätestens jetzt, wenn der Film in die Kinos kommt, vorbei. Claus Wecker |