Madonnas Tochter

NOT A GIRL - Crossroads
von Tamra Davies, USA 2002, 100 Min. mit Britney Spears, Dan Akroyd, Kim Cattrall, Anson Mount, Zoe Saldana, Taryn Manning
Komödie
Start: 28.03.2002 Note: 3

Die Biedere, die Wilde, die Schöne. Drei Identifikationsangebote für die Britney-Spears-Zielgruppe begeben sich in ihrem ersten Film auf die Reise nach Kalifornien. Kit will in L.A. ihren Verlobten besuchen, der immer nebulöser über den Hochzeitstermin wird. Die schwangere Mimi will an einer Audition teilnehmen und strebt eine Karriere als Rocksängerin an. Und Lucy, die Klassenstreberin und bekennende Jungfrau, will ihre lang verschwundene Mutter besuchen.

Am Ende fusioniert Lucy die Sehnsüchte aller drei: sie ist ein bißchen sexier, ein bißchen wilder und eine gefeierte Sängerin. Die Mutter ist abgeschrieben, dafür bekommt sie den richtigen Mann zur richtigen Zeit, ohne ihren weise No-Nonsens-Attitüde aufzugeben. Und man begreift, was Britney Spear zur modernen Barbie und zum Idol der 14-Jährigen macht.

Entwaffnend unprätentiös präsentiert sie ihr zwittrig-pubertäres Rollenmodell: »Noch kein Mädchen, aber auch noch keine Frau (not a girl, not a woman yet)«, schreibt sie unterwegs in ihr Poesiealbum, Verzeihung, Tagebuch - es wird einem noch in den Ohren klingen. Blondgefärbt und im weißen Blüschen ist sie in einem Moment brave Tochter und im nächsten erotisches Bühnen-Luder. Ihre Jungfernschaft ist sowohl im Film wie im realen Rollen-Image ein großes Thema, und Britney schafft die Quadratur des Kreises: schlampig und frisch geschrubbt zu sein. Das ist intelligenter umgesetzt als in »Grease«, wo eine spießige Olivia Newton-John zum spießigen Vamp mutierte. Das unbefangen Trashige dieser Pseudo-Emanzipationssoap macht sogar Spaß, zumal Britney-Spears-Songs nur sparsam dosiert sind. Im Auto grölen die Mädels provozierend einen Song von ‘N Sync und treiben damit ihren Fahrer, Heavy-Metal-Musiker Ben, zur Verzweiflung. Ansonsten quasseln sie über Sex, Männer und Gefühle, bis sie blau anlaufen.

Und zwischendurch schafft es Britney sogar noch, an die große Madonna anzudocken: Lucy hüpft heimlich in ihrem Jungmädchenzimmer zu Madonna-Songs herum. Daß diese ihrerseits sich, bekleidet mit Britney-Spears-T-Shirts, als ihre Bewundererin ausgibt, ist seit längerem bekannt. Zumindest, was ihre Selbstvermarktung betrifft, kann Britney mit Madonna mithalten. Man darf gespannt darauf sein, wie sie ihre kürzliche Trennung von N’Sync-Sänger Justin Timberlake in ihr Image einbauen wird.

Birgit Roschy