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Der alte Mann und das Mädchen |
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WHALE RIDER Start: 14.08.2003 Note: 2- |
Niki
Caro, die Regisseurin von »Whale Rider«, hat es gewußt: Die Besetzung
der Hauptrolle war das Wichtigste. Deshalb wurden mehr als 10.000 Kinder
getestet, bis schließlich die Wahl auf die sportlich-herbe Keisha
Castle-Hughes fiel. Sie spielt die junge Pai, die Enkelin des
Maori-Häuptlings Koro, die sich gegen eine althergebrachte Tradition
durchsetzen muß.
Die Tradition geht auf einen Mythos zurück: Die neuseeländischen Ureinwohner glauben, daß ihre Häuptlinge von Paikea abstammen, der einst auf dem Rücken eines Wales die Küste erreicht hat. Koro kann seinen Stammbaum über tausend Jahre bis zu dem ersten Walreiter zurückverfolgen. Doch jetzt droht die Linie abzureißen. Als Moros Sohn Vater von Zwillingen werden soll, sterben Mutter und Sohn bei der Geburt. Nur die kleine Tochter überlebt und wird von der liebevollen Großmutter Flowers umsorgt, die ihren Mann mit nicht immer sanfter Bestimmtheit auf den familienfreundlichen Pfad führt. Aus Moro wird ein zunächst mürrischer, dann liebevoller Opa, der sich um seine Enkeltochter kümmert, ihr die Welt zeigt und erklärt, aber immer mit dem leisen Bedauern, daß sie kein Junge ist. Der alte Patriarch Moro und das Mädchen Pai sind mit Rawiri Paratene, der schon in dem neuseeländischen Film »Die letzte Kriegerin« mitgewirkt hat, und eben jener Keisha Castle-Hughes geradezu ideal besetzt. Mit ihrer Natürlichkeit erobert Keisha bravourös die Herzen der Zuschauer. Sie gehört zu jenem Typ Mädchen, der weniger mit Puppen als mit gleichaltrigen Jungen spielt. In ihrem Gesicht läßt sich jede Gefühlsregung ablesen. »Ich empfinde sie als Geschenk des Himmels«, sagt Niki Caro. »Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wie es mit einem anderen Mädchen hätte funktionieren sollen.« Das letzte Wort, das endgültig klärt, wer den Stamm führen soll, haben in »Whale Rider« natürlich die Wale. Die kommen immer besonders gut an beim Publikum, und es kann als ein geschickter Schachzug angesehen werden, daß der Film die Naturschutz-Romantik mit dem Emanzipationsthema verbindet. Im Kino sind wir mittlerweile gewohnt, eine männliche Bastion nach der anderen fallen zu sehen. Doch hier sind einige Bedenken anzumelden. Schließlich ist die Häuptlingsnachfolge in einer Kultur, die auf Geschlechtertrennung großen Wert legt, etwas grundlegend anderes als die Thronfolge am englischen Königshof. Witi Ihimaera, der Autor des verfilmten Romans, versichert etwas treuherzig, er habe auf die Frage seiner Töchter, warum in Actionfilmen immer der Junge der Held und das Mädchen hilfsbedürftig sei, sich entschlossen, »einen Roman mit einer weiblichen Heldin zu verfassen«. Da macht er sich die Sache etwas zu einfach. Schließlich geht es nicht nur um den Alterstarrsinn eines Maorihäuptlings. »Whale Rider« erklärt ein fundamentales Problem zur Herzensangelegenheit des Kinopublikums. Claus Wecker |