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Sanfter Slapstick |
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JET LAG - ODER WO DIE LIEBE HINFLIEGT |
Sie
gehört zu jenen Frauen, die ohne Make-up noch nicht mal den Müll
runtertragen - mit flatternden Nerven und einem Gestöckel, das so
beängstigend anzusehen ist wie ein Spaziergang auf dem Seil. Er ist ein
müder Macher mit Augenringen und Zweitagebart, dünnhäutiger Nörgler
mit psychosomatischen Schwächeanfallen.
Dritter Darsteller ist der Pariser Flughafen Charles de Gaulle, eine graue Kulisse voller genervter Zeitgenossen, die unbedingt wegwollen und nicht können. Streik, Computerpannen und Handys, die Plagen der Neuzeit, führen Rose und Félix zusammen; sie leiht sich sein Handy, was ihm fortwährend Anrufe von Rose’ besorgten Freunden und Verwandten beschert und dazu ungewollt Einblick in ihre verkorkste Beziehung. Sie will vor ihrem Ex-Freund nach Mexiko flüchten, er will nach München, um seiner Ex wieder näherzukommen. Rose geht Félix gewaltig auf den Keks, und dennoch bietet er ihr ritterlich an, mit ihm beim Warten auf den Flug ein Hotelzimmer zu teilen. Das alte Spiel von Abstoßung und Anziehung vollzieht sich hier mit leiser, melancholischer Komik und nur sanftem Slapstick: seinen Reiz gewinnt es aus seinen beiden gegen den Strich besetzten Darstellern. Im umgekehrten Aschenbrödelprinzip gibt Binoche als Kosmetikern anfangs eine zappelige, so tief in den Farbkasten gefallene Tussi, daß man sie kaum wiedererkennt - umso effektvoller dann ihr ungeschminkter Auftritt, der beim verbiesterten Félix einen »coup de foudre« auslöst und erneut ein Wesen aus ihr macht, das so manches Männerknie zum Zittern bringt. Und während man beiderseits über das schwere elterliche Karma plaudert - Rose etwa ist nicht nach einer Lippenstiftfarbe, sondern nach Rosa Luxemburg benannt - blättert auch bei Félix, dem frustrierten Ex-Starkoch und Besitzer einer Firma für Luxus-Tiefkühlkost, die Arroganz ab. Man sieht diesen beiden Kinoveteranen einfach gern zu, wie sie das abgeschmackte Komödienmuster und das französische Filmklischee vom Dauerreden, Streiten, Kochen, und Sich-dabei-Verlieben, so hinreißend variieren - mit fein nuancierten Macken und Neurosen, die nie zur Karikatur aufgeblasen werden. Gibt es ein wahres Leben im Falschen, obwohl doch Rose’ kommunistische Eltern sie so streng vor verlogenen Hollywoodkomödien gewarnt haben? Das verhaltene Happy End verläuft dann doch im Sinne des Klassenfeindes und kann nichts mehr daran ändern, daß »Jet Lag« der seltene Fall einer romantischen Komödie für Erwachsene ist. Birgit Roschy |