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Quäl mich! |
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SECRETARY |
Vor
dem Haus hängt ein Schild mit der Aufschrift »Sekretärin gesucht« –
wie das »Zimmer frei«-Schild vor einer Pension. Die hübschen bunten
Glühbirnen sind eingeschaltet. Offenbar ist es wieder soweit: eine neue
Arbeitskraft erhält eine Chance.
Eine gute Gelegenheit für Lee Holloway (Mary Gyllenhaal), die gerade aus der Psychiatrie kommt. Ihren Hang, sich zu verletzen, ist sie dort nicht losgeworden ist, dafür hat sie einen Schreibmaschinenkurs absolviert. Lee wohnt wieder bei ihren Eltern und steuert unter sanfter Anleitung ihrer Mutter, der die masochistische Ader ihrer Tochter hochnotpeinlich ist, eine geregelte Beschäftigung an. Die Tochter ist fest entschlossen zu arbeiten. Da schreckt es sie auch nicht, daß ihre Vorgängerin, in Tränen aufgelöst, das Haus verläßt. Ihr neuer Arbeitgeber ist der Rechtsanwalt E. Edward Grey (James Spader), ein merkwürdiger Kauz, der immer etwas gedankenverloren in die Gegend schaut. Als er Lees kleine Wunden entdeckt, befiehlt er ihr, sofort mit der Selbstverletzung aufzuhören. Fürs Quälen ist ab jetzt er zuständig. Zwischen Chef und Sekretärin entwickelt sich eine erotische Beziehung, die es in sich hat. Sobald keine Mandanten im Weg sind, treiben die beiden ihre Spielchen. Das Schöne an »Secretary« ist, daß der Film seine zwei Hauptfiguren nicht voyeuristisch bloßstellt, sondern mehr auf deren Verhaltensweisen, aufs Atmosphärische abzielt. Regisseur Steven Shainberg, der als Werbefilmer sehr erfolgreich ist, deutet oft nur an und zieht die ironische Distanz dem Schock vor. »Secretary« ist das heitere Gegenstück zu Michael Hanekes düsterer »Klavierspielerin«. Kaum zu glauben, daß beide Filme vom gleichen Thema handeln. »Secretary« ist eine glänzend gefilmte Komödie für den kleinen Sadisten oder Masochisten in uns. Aber um sie zu goutieren, braucht man als Zuschauer schon ein wenig Humor. Claus Wecker |