Lady Vegas (Start: 19.07.2012)

LAY THE FAVORITEWetten, daß ..?

»Lady Vegas« von Stephen Frears

Man braucht schon ein wenig Spielerblut in den Adern, um Stephen Frears neuen Film »Lady Vegas« würdigen zu können. Dann allerdings wird man an der Geschichte von der Stripperin, die in Las Vegas zur Glücksfee eines Berufsspielers avanciert, eine Menge Spaß haben.

Beth (Rebecca Hall) kann man sich für einen flotten Privat-Strip ins Hotel bestellen. Aber der Stripper-Job nervt sie allmählich. Als sie von einem ihrer Kunden mit einer Schußwaffe bedroht wird, hat sie endgültig die Schnauze voll und bricht auf nach Las Vegas. Dort will sie in einer Cocktailbar kellnern. Allerdings gibt es genügend Kellnerinnen in der Stadt. Da trifft es sich gut, daß der berühmt-berüchtigte Zocker Dink (Bruce Willis) Unterstützung sucht.

Dink betreibt ein professionelles Büro, von dem aus er alle möglichen (und unmöglichen) Sportwetten plaziert.

So lernt Beth eine völlig neue Welt kennen mit Räumen, in denen nicht nur ein oder zwei Flachbildschirme, sondern gleich ein Dutzend von ihnen hängen. Und sie wird mit ihrem ausgezeichneten Zahlengedächtnis und ihrem begeisterungsfähigen Wesen Dinks Glücksfee, ist sie doch in ihren kurzen Höschen und freizügigen Tops eine wahre Augenweide für den Zocker aus dem Halbweltmilieu.

Als allerdings Dinks eifersüchtige Ehefrau Tulip (Catherine Zeta-Jones, grandios als eine durch Butox verunstaltete neureiche Amerikanerin) im Wettbüro auftaucht, ist es um Beths vertrauliche Abende mit Dink geschehen. Bevor es zur handfesten Affäre kommt, bereitet Tulip Beths Engagement ein Ende. Nach einigem Hin und Her landet Beth in einem illegalen New Yorker Wettbüro und gerät schließlich in eine so bedrohliche Klemme, daß der gute alte Dink wieder helfen muß …

Der Brite Stephen Frears hat seiner Verfilmung einer wohl wahren Geschichte einen typisch amerikanischen Mainstream-Look verpaßt. Er bestätigt wieder einmal seine These, daß nur das Sujet den Stil eines Frears-Films bestimmt. Ob englische oder irische Unterschicht (»Mein wunderbarer Waschsalon« oder »The Snapper«), klassische Literaturverfilmung (»Gefährliche Liebschaften«), amerikanische Cowboys (»Hi-Lo Country«) oder britischer Hochadel (»The Queen«), um nur einige Beispiele aus seinem reichhaltigen Oeuvre zu nennen: mit jedem Film erfindet sich das Chamäleon unter den Regisseuren neu. Und auch diesmal kommt etwas Amüsantes dabei heraus.

Claus Wecker
LADY VEGAS (Lay the Favorite)
von Stephen Frears, USA/GB 2012, 94 Min.
mit Bruce Willis, Rebecca Hall, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn, Joshua Jackson, Laura Prepon
nach Memoiren von Beth Raymer
Komödie / Start: 19.07.2012

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