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Butoh-Star Tadashi Endo kehrt mit »Sasayaki« zurück ins Gallus Theater

tanz gallus sasayak1 Foto Maciei Rusinek

Nach dreijähriger Pause gastiert Tadashi Endo wieder im Gallus Theater. Auf zuletzt (2019) »Souls in the Sea«, das den Fluchtopfern im Mittelmeer gewidmet war, lässt der zu den renommiertesten Butoh-Tänzern der Welt zählende Japaner mit drei internationalen Performerinnen nun sein neues Tanztheaterstück »Sasayaki«, was übersetzt »Flüstern« heißt, folgen.
Ausgangspunkt der neuen choreografischen Arbeit Endos ist das Gedicht »Coronavirus an die Menschheit« von Vivienne Reich.
(»Die Erde flüsterte, aber Du hörtest sie nicht. Die Erde sprach, aber du hörtest nicht zu. Die Erde schrie, aber Du stelltest sie aus. Und so bin ich geboren. Ich war nicht geboren, um Dich zu bestrafen. Ich bin geboren, um dich wachzurütteln. Die Erde schreit nach Hilfe ….«)
Das daraus entstandene Tanztheaterstück, das erst vor wenigen Wochen am Jungen Theater Göttingen seine begeisternde Premiere erlebte, handelt davon, wie Frauen mit schwierigen Situationen umgehen, unter den Bedingungen von Stress, Isolation, aber auch Krieg und Pandemie. Endo setzt es mit drei Tänzerinnen aus drei Generationen um, Natsuko Kono, Satoko Shimizu und Virginia Torres Perez sind 66. 46 und 25 Jahre alt.
Der in Peking geborene Japaner ist Butoh Tänzer, Choreograf, Direktor des Butoh Centrum MAMU und künstlerischer Leiter des Butoh Festivals MAMU in Göttingen. Er studierte Regie am berühmten Max Reinhardt Seminar in Wien, und begegnete 1989 zum ersten Mal seinem inzwischen verstorbenem großen Lehrer Kazuo Ohno. Sein Tanz ist wie eine Gratwanderung zwischen den östlichen und westlichen Kulturen und den Kunstrichtungen Theater, Performance und Tanz. Bei uns wurde Endo über die Kreise von Tanz-Fans hinaus durch seine kontinuierliche Zusammenarbeit mit Doris Dörrie bekannt, in deren Film »Kirschblüten – Hanami« er sogar zu sehen ist.
Butoh entstand Ende der 60er Jahre in Japan und versteht sich als Tanztheater ohne feste Form. Es galt als »Tanz der Revolte« gegen die Amerikanisierung der japanischen Kultur wie auch gegen die gegen starren Strukturen im klassischen japanischen Tanz. Dabei flossen neue Formen des deutschen Ausdruckstanzes, Schamanenpraktiken und moderne Tanztechniken in Butoh ein. Übersetzt heißt Butoh zwar Tanz der Finsternis, schließt aber weder Licht, noch Hoffnung aus. Im Gegenteil.

gt (Foto: © Marciel Rusinek)

Termine: 28., 29., 30. April, jeweils 20 Uhr
www.gallustheater.de

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