Strandgut – Das Kulturmagazin für Frankfurt und Rhein-Main

Theaterhaus Frankfurt verzaubert im »Garten des Oktopus«

familie theaterhaus Der Garten des Oktopus csm 12 20220425 schander

Sie tippeln zu zweit versteckt und barfuß in einem offenen Pappkartons hin und her und her und hin auf der Bühne. Und sie stellen sich, endlich zur Ruhe und aus dem Karton kommend, als die alleswissenden Schwestern Octavia und Gwendolyn vor, die fast alles wissenden. Sind das Tauchermützen mit langen Zöpfen? Jedenfalls sehen sie lustig aus in den schwarzweißen Badekostümen. »Alles beginnt mit einem Punkt«, sagen sie dann, einem solchen wie er auch auf dem Karton zu sehen ist. Natürlich aber ist auch die strahlend goldene Sonne einer, und der Mond und auch das Gelbe vom Ei, wie auch die, aus denen wir kommen.
Bevor Octavia und Gwendolyn denn wirklich in den »Garten des Oktopus« aufbrechen, gehen sie dieser Sache mit dem Leben auf den Grund. Sie erklären, als wenn wir das nicht alle längst wüssten, woher unser Nabel kommt und kennen sich sogar im etwas anderen Liebesleben der Hühner und Hähne aus. Vor einem Perlenvorhang, der sich wunderbar zur Projektion von Bildern, wie von Zeichenanimationen (Nanette Zimmermann) eignet, geht es dann weiter mit der Liebe, dem Kinder-, Junge-, Nachwuchs kriegen, bei den einen wie bei den andern. Gerade noch rechtzeitig fällt den Schwestern ein, dass es neben dem Punkt auch den Strich braucht, der für den Samen steht, damit das mit dem Leben weiter geht.
Über kurz und tief, wir ahnen es schon, landet das fast alleswissende Duo dort, wo alles Leben herkommt. Im Ozean bei bildhübschen Seesterne, dicknasigen Anglerfischen und den tollen Tintenfischen, den am schnellsten wachsenden Tieren der Welt, die sich groß wie ein Auto aufplustern können, aber dünn wie ein dicker Spaghetti durch ein zitronengroßes Loch zu schlüpfen vermögen.
Die Geschichte um Octavia und Gwendolyn im »Garten des Octopus« hat sich Katrin Schyns ausgedacht, nachdem sie Isabella Rossellinis wunderbares Buch »Green Porno« gelesen hat. Diese Autorin hat ihrem Büchlein überdies eine DVD mit kleinen Filmchen beigelegt, auf denen sie in Tierkostümen die kuriosesten Formen von Fortpflanzung spielt. Eine humorvolle wie emphatische Liebeserklärung an das Leben und den Artenreichtum, der sich unter der Regie ihres langjährigen britischen Regiepartners Anthony Haddon auch Katrin und ihre Schwester Susanne Schyns mit ihrem virtuosen Spiel anschließen. Sie singen, tanzen und können sogar das Morsealphabet. Dem lieben Octopus kommen sie auf ihrer poetischen Reise besonders nah, zumal das Tier in ihrer Geschichte aus seinen ozeanischen Tiefen entführt wird, um in einem deutschen Aquarium zu landen. Doch dabei bleibt es nicht, doch dazu hier nur so viel, dass am Ende des 45-minütigen Spektakels der großartige Beatles-Song vom Schattenplätzchen im Garten des Tintenfischs aufspielt.

Winnie Geipert / Foto: © Katrin Schander

Termine im November:
So., 27. (11 Uhr); Mo., 28. (10 Uhr); 29. (9+11 Uhr); 30. (9 Uhr); 1. Dezember, 9 Uhr
www.theaterhaus-frankfurt.de

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