Die Winterwerft hat ihr Programm vorgestellt

Polarisierung, autoritäre Tendenzen, Extremismus, gesellschaftlicher Hass, die Normalisierung von Krieg und Gewalt, der Verlust von Arten, erschöpfte Böden und verschmutzte Ozeane: die Welt ist so wie sie ist, und an keinem Montag ist man sich sicher, dass sie am Sonntag noch so sein wird wie sie am Montag war. Die Folgen der ideologischen Maxime vom unbegrenztem Wachstum und linearem Fortschritt sind kaum noch kalkulierbar. Wie können künstlerische Produktionen diese Themen aufgreifen, wie sie umsetzen, verdeutlichen, vielleicht sogar zum Nachdenken aufrütteln?
Die Winterwerft stellt nun zum zehnten Mal Antworten darauf vor. Ihr Programm subsumiert sie unter dem Titel »Turn the Tide« und spricht davon, dass der momentane Zustand nur die sichtbare Spitze einer Welle sei, die sich schon lange auftürme. Wie richtig. Das bequeme Einrichten in den Status Quo hilft jetzt nicht mehr. Doch – um im Bild zu bleiben – wenn sich diese Welle zurückzieht, folgt die Ebbe. Und was sieht man dann? Welche neuen Lebensweisen und Denkmuster haben sich als widerstandsfähig genug erwiesen? Wie könnte ein anderes Miteinander aussehen?
Vom 30. Januar bis 15. Februar präsentiert protagon in der Winterwerft ein multiperspektivisches, künstlerisch sehr breit aufgestelltes Programm. Das Format ist in dieser Art in Deutschland einzigartig: Künstler*innen der verschiedensten Sparten aus ganz Europa kommen hier zusammen. An den Festivalwochenenden (6. bis 8. Februar und 13.bis 15. Februar) präsentieren sie eigene Produktionen sowie Ergebnisse gemeinsamer Workshops. Die Gruppen kommen aus Frankreich, Großbritannien, Polen, Spanien, der Ukraine und weiteren Ländern, sehen wird man auch lokale Künstler*innen. Doch es bleibt nicht beim Konsum, Herzstück bilden die Zuschauer*innen, die eingeladen sind, sich in Workshops auszudrücken, ihre Erfahrungen zu teilen und sich so selbst in einen aktiven Teil der Winterwerft zu verwandeln. Gleich zum Beginn vom 30.1.bis 1.2. gibt es Workshops. Das interaktive Performanceformat »Labyrinth«, gemeinsamer »Ceilidh Dance« und erste Präsentationen eröffnen spielerisch den thematischen Raum des Festivals.
Neu ist die Winterwerft Art Gallery, die am 6.2. mit einer Vernissage eröffnet. Gezeigt werden Videoinstallationen, bildende Kunst, Zeichnungen, eine interaktive Textilskulptur sowie künstlerische Reflexionen zum Anthropozän. Ein besonderes Highlight in der Galerie ist das Projekt »Solar Platter«, das am 13. Februar eine interaktive Musikperformance präsentiert und Fragen nach Energie, Technologie und künstlerischer Praxis miteinander verwebt. Auch für Kinder gibt es viel Spannendes: Mitmachtheater z.B. und Tanzworkshops.
Ein kleiner Ausschnitt aus dem weiteren Programm sei hier gegeben:
Das Ensemble »Compagnie a« bestreitet den Samstagabend am 7.2. mit einer Performance zum Thema Kolonisierung: wie drückt die sich in der Landschaft, aber auch im eigenen Körper aus, wie werden Kultur und Religion umgeformt? Dem Thema Frieden widmet sich das Tanz Ensemble »SoBo Productions« und hinterfragt, wie Erziehung, Propaganda und kulturelle Prägung Gewalt und Nationalismus. Am 13.2. hat das Stück »Wälder« von Tanja Watoro Premiere, in dessen Mittelpunkt eine widerständige Naturwissenschaftlerin steht. Der ukrainische Folklorechor »Bozhedary Choir« stellt traditionelle ukrainische Volkslieder in eigenen Arrangements vor. Ebenfalls am Samstagabend werden in »Turn the Tide: Final Show« die Ergebnisse aus dem Winterwerft Theaterlabor präsentiert.
Das protagon-Gelände in der Orber Str. 57 in Fechenheim ist mit Jurte, Bar und Babushka Café ausgestattet.

as / Foto: El Mundo Atrás, 6.2., © Rolando Salamé
Das vollständige Programm gibt’s unter www.winterwerft.de

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