Klassik-Highlights

Lux Aeterna und musikalische Weinprobe
Die Justinuskirche am Rand der historischen Hoechster Altstadt wurde zwischen 830 und 850 n. Chr. in der Zeit der Karolinger erbaut und ist somit die älteste Kirche in Frankfurt. Um 1440 mit einem mächtigen Hochchor erweitert, ist sie oberhalb des Mains von weither sichtbar. Seit mehr als 1.100 Jahren werden in diesem Haus nahezu ohne Unterbrechung Gottesdienste gefeiert. Dank der besonderen Akustik der Basilika und der in den Neunzigerjahren des letzten Jahrhunderts zur Konzertorgel erweiterten Barockorgel hat sie sich im Lauf der Jahre zu einer musikalischen Pilgerstätte entwickelt.
In diesem Jahr wird eine bereits 1994 zunächst als Höchster Orgelsommer etablierte Konzertreihe gleich zu Beginn am 26. April mit dem renommierten »Motettenchor Frankfurt« unter seinem Leiter Thomas Hanelt festlich eingestimmt, der sich unter dem Titel »Lux Aeterna« Chorwerke vom flämischen Renaissance-Meister Josquin Desprez bis zur Moderne eines Francis Poulenc oder Pablo Casals Motetten und Zeitgenössisches vorgenommen hat. Ein Höhepunkt könnte eine »Missa Crux Fidelis« des kaum aufgeführten belgischen Priesters und Komponisten Jean-Marie Plum (1899–1944) werden.
Zum 140. Geburtstag des großen Orgelmeisters Marcel Dupré am 10. Mai werden Fabian Rieser (Violine) und Bezirkskantor Manuel Bleuel (künstlerischer Leiter der »Höchster Orgelsommer«) an der Orgel bzw. am Klavier Werke des Jubilars und dessen Zeitgenossen Gabriel Fauré aufführen.
Reizvolle Werke des Frühbarock und der Renaissance für Blockflöte und Cembalo von John Dowland, William Byrd, Francis Tregian und Giovanni da Palestrina werden am 31. Mai zu hören sein.
Über weitere, spannende Konzerte im Sommer und Herbst werden wir zeitnah berichten.
Auf eine verlockende »Musikalische Weinprobe« am 14. Juni sei jedoch schon jetzt zur vorausschauenden Planung hingewiesen, wenn im Schatten der Justinuskirche »Weintänze« des Wiesbadener Komponisten Hans Uwe Hielscher aufgeführt werden, korrespondierend mit Weinen und Winzersekt aus den Kellern eines Pfälzer Familienbetriebs. Mal sehen, ob Organist Manuel Bleuel danach Georg Friedrich Händels launiges Orgelkonzert in B-Dur zum weinseligen Swingen bringen wird …
Alle Infos über www.justinuskirche.de
Tickets bei Frankfurt-Ticket: 069/1340 400 oder www.frankfurt-ticket.de

Zauberflöte zeitgemäß
Mozarts letztes Bühnenwerk »Die Zauberflöte«, die ja eigentlich ein Singspiel ist, wird wohl jedem Opernfan durch ihre eingängigen Ohrwürmer vom Vogelfänger Papageno, der Rache-Arie der Königin der Nacht oder Taminos schmachtenden Arie vom bezaubernden Bildnis seiner angebeteten Pamina sofort präsent sein. Dabei verstecken sich in der vermeintlichen Volkstümlichkeit dieses Werks so etwas wie Märchen- und Mysterienspiel. Selbst Anklänge an Mozarts Mitgliedschaft in einer Freimaurerloge werden von der Musikwissenschaft kolportiert.
Ein Bühnenwerk, das nach nahezu 275 Jahren Alt und Jung noch immer gleichermaßen fasziniert.
Die große Frage ist allerdings, wie dieses Werk »zeitgemäß« heutzutage auf die Bühne gebracht werden kann. Das Staatstheater Mainz stellt sich dieser Frage in einer Neuinszenierung des ehemaligen Everding-Schülers Dominik Wilgenbus, mit dem 2025 frisch gekürten GMD Gabriel Venzago am Pult des Orchesters.
Termine: 27.3., 5.4., 19.4.,
4 Termine im Mai 26
Infos und Tickets: www.staatstheater-mainz.de

Armenian Soul – zwei ungewöhnliche hr-Konzerte
Das Land Armenien gehört nicht erst seit dem Abzug russischer sog. Friedenstruppen im Streit um Bergkarabach 2024 und der zaghaften Annäherung an die EU zu den Begehrlichkeiten des Despoten Putin. Der Erzählung des Chefdirigenten des hr-Sinfonieorchesters Alain Altinoglu zufolge, leben die Armenier »seit sehr langer Zeit in der Diaspora«. Er selbst, in Paris geboren, hatte Eltern, die im (nicht unproblematischen) armenischen Grenzgebiet zur Türkei lebten. So ist Altinoglu nicht nur sprachlich mit Armenien verbunden, sondern auch mit der »Seele« dieses Landes. Diese »Armenian Soul« möchte er mit armenischen Freunden und Komponisten in zwei Konzerten musikalisch vermitteln.
Ein Kammerkonzert am 19. April im hr-Sendesaal macht bekannt mit dem Komponisten Komitas Vardapet (1869–1935), einer der ersten Musikpädagogen, Sammler von Volksliedern und Schöpfer liturgischer Musik. Von ihm werden armenische Miniaturen für vier Streicher zu hören sein. Auch Arno Babadjanian (1921–1983) schöpft in seinen Kompositionen aus der armenischen Folklore, während Eduard Misorjan (1921–2012) sich stilistisch eher dem großen Sinfoniker Aram Chatchaturyan annähert. Der Geiger Sergey Khachatryan und seine Schwester Lusine am Klavier werden durch Musiker*innen des hr-Sinfonieorchesters bei einem Trio und einem Streichquartett der beiden Komponisten unterstützt.
Am 16. und 17. April werden in der Alten Oper mit Alain Altinoglu am Pult im ersten Teil Werke von Chatchaturyan (1903–1978) aufgeführt, von dem allenfalls der Säbeltanz aus dem Ballett »Gayaneh« hin und wieder zu hören ist. Mit auf dem Programm steht das 1940 für den berühmten russischen Geiger David Oistrach komponierte (und von ihm uraufgeführte) ausladende Violinkonzert mit Sergey Khachatryan. Im zweiten Teil wird Strawinskis Jahrhundertwerk »Le Sacre du Printemps« zu erleben sein, das nach weit über 100 Jahren mit seinen wilden rhythmischen Strukturen und kühnen Harmonien noch immer zu fesseln vermag.
Ticket-Hotline und Infos: 069/155-2000 oder www.hr-ticketcenter.de, www.hr-sinfonieorchester.de

 

Bernd Havenstein
Foto: »Die Zauberflöte« am Staatstheater Mainz, © Andreas Etter

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