Man muss sich nur mal kurz überlegen, was wäre, wenn diese Orte nicht besetzt worden wären: die Dondorf-Druckerei in Bockenheim, in der die Schirn jetzt thront und noch viele weitere kulturelle Initiativen, und vor allem: die Naxoshalle. Beides hoch attraktive Denkmäler einer Industriekultur, die im vergangenen Jahrhundert in der damals emblematischen Backsteinarchitektur errichtet worden waren. Die Dondorf-Druckerei 1929 als Spielkartenproduzent und zwei Jahre früher die Naxoshalle als Schleifmittelfabrik – der Geruch hängt immer noch ein bisschen in der Halle mit ihrer kathedralenhaften Anmutung. Und heute sind sie Meilensteine, Leuchttürme der Frankfurter Stadtkultur.
Im Jahr 1990 war in der Naxoshalle Schicht im Schacht, 2000 feierte das Theater Willy Praml dort seine erste Premiere. Eigentlich sollte die Halle abgerissen werden, der Denkmalschutz aufgehoben. Zwei Lager stritten sich damals um die Deutungshoheit: Stadtgeschichte, die sich auch in Gebäuden niederschlägt, vernichten, oder Gras darüber wachsen bzw. Beton sich darüber ergießen lassen? Politischer Wille war gefragt, und auch das Votum der Unterstützer*innen dieses Projekts.
An diesem Prozess der Identitätsfindung innerhalb der Stadtgesellschaft lässt das Theater Willy Praml seine Zuhörer*innen jetzt teilhaben: am 9.2. um 19.30 Uhr gibt es eine Lesung des Ensembles über »die Zeit vor uns, als die Naxoshalle nur noch eine Immobilie war«, anschließend wird eine Podiumsdiskussion dieses Thema aufgreifen mit Alfred Gangel (Leiter des Liegenschaftsamtes 1997–2012), Claus-Jürgen Göpfert (Ehemals Frankfurter Rundschau), Simon Möllendorf (Leitungsteam Produktionshaus NAXOS), Willy Praml (Theatermacher), Linda Reisch (Kulturdezernentin 1990–1998) und Petra Roth, angefragt (Oberbürgermeisterin 1995–2012). Die Moderation übernimmt der Kulturwissenschaftler Wolfgang Schneider.
Naxoshalle: Abreissen! – 25 Jahre Hallenbesetzung