Am Ende ging alles ganz schnell: Am letzten Freitag im Januar durften Intendant Daniel Nicolai und sein Team wieder hinein in die Räume des English Theatre Frankfurt im sanierten Gallileo-Turm, am Sonntagabend öffnete sich der Vorhang zur Wiederaufnahme des brüllend komischen Musical-Spaßes »Something Rotten!«. Zwar konnten im Keller selbst die angekündigten Renovierungsarbeiten noch nicht vorgenommen werden, dennoch strahlt das Stück Frische aus. Nicht nur weil sich der Cast verändert hat, acht von 14 Schauspieler*innen im Vergleich zur ersten Premiere an dieser Stelle Ende 2023 neu dabei sind und einigen Protagonisten einen etwas anderen Charakter verleihen. So wird der hier umschwärmt und selbstverliebt auftretende Shakespeare durch Benjamin Stratton zum noch rockigeren Star. Regisseur Ewan Jones hat seine Arbeit aufgepeppt, wie er sagt. Dazu hilft eine neue Tonanlage dabei, dass alles besser denn je zu verstehen ist, was nicht zuletzt denjenigen entgegenkommt, die nicht englischsprachig aufgewachsen sind.
Zu Erinnerung: Mit großem Aufwand wurde vor mehr als zwei Jahren der Broadway-Hit von John O’Farrell sowie Karey und Wayne Kirkpatrick als Europa-Premiere im Original im Hochhaus an der Gallusanlage auf die Bühne gebracht und vom Publikum gefeiert. Doch nach dem Verkauf des Gebäudes an den Immobilienkonzern Capitaland in Singapur und Streitigkeiten um den Verbleib des größten englischsprachigen Theaters auf dem europäischen Festland in seinem gewohnten Zuhause musste dieses erst mal ausziehen. Mehr als zwei Jahre lang ohne feste Spielstätte, ging es jetzt endlich wieder zurück. Doch auch das war mit Schwierigkeiten verbunden: Der ursprünglich für die Wiedereröffnung angekündigte Termin im Herbst musste wegen technischer Probleme bis ins neue Jahr verschoben werden. Nicht alle Darsteller erwiesen sich als geduldig genug, den Neustart abzuwarten. So musste die Rolle von Nigel Bottom kurzfristig neu besetzt werden. Innerhalb von wenigen Tagen studierte Charlie Smart sie ein und lieferte eine vortreffliche, sympathische Darbietung des jungen, talentierten Dichters, der zusammen mit seinem Bruder Nick (Reuben Browne) verzweifelt versucht, dem angehimmelten Barden Konkurrenz und eigenes Theater zu machen. Als nichts mehr zu helfen scheint, wird ein nicht ganz so fachkundiger Verwandter des berühmten Nostradamus (Tom Watson) befragt, und der erkennt den Hit der Zukunft in zu Renaissance-Zeiten noch undenkbaren Musicals. Zudem sieht er Shakespeares größten Erfolg voraus, auf den auch der Titel anspielt; allerdings versteht er ihn nicht ganz richtig, was erst zu Irritationen und dann zu einer im positiven Sinne klamaukigen Umsetzung führt.
Natürlich fehlen romantische Liebesszenen genauso wenig wie Hinterlist, es gibt zahlreiche Anspielungen auf Musicals ebenso wie auf die späteren Meisterwerke des populären englischen Dichters. Trotz der ständigen Unsicherheiten und Unwägbarkeiten, mit denen das English Theatre in den vergangenen Monaten zu kämpfen hatte: Zu Lasten der Qualität dieses Feuerwerks an Gags und Einfällen, der schwungvollen Choreografien und mitreißenden Musik geht das nicht. Dieser Gute-Launer-Macher hat viele Zuschauer verdient. Umso schöner, dass es Nicolai gelungen ist, den Cast länger als ursprünglich vorgesehen, bis einschließlich 11. April, zu verpflichten.
Was lange währt … English Theatre endlich zurück im sanierten Gallileo-Turm