Eine performative Recherche.
2025: Das Bundesamt für Verfassungsschutz feiert 75-jähriges Jubiläum.
2027: Der »Deutsche Herbst 1977« jährt sich zum 50. Mal.
34 Morde, der RAF zugeschrieben, davon 33 unaufgeklärt.
»Wenn es ein Musterbeispiel für die verhinderte Aufklärung eines terroristischen Verbrechens gibt, dann ist es der Buback-Mord. Zuerst wurde diese durch Falschinformationen sabotiert, dann wurden Mitwisser anstatt die Täter verurteilt und schließlich mit einer Verspätung von 33 Jahren ein Verfahren gegen die Hauptverdächtige eröffnet, das als Farce des Rechtsstaats endete. «
(Wolfgang Kraushaar)
Farce? Polit-Thriller? Homerische Gesänge?
Zeit, die Asservatenkammer wieder einmal zu öffnen: 1977 wird Generalbundesanwalt Siegfried Buback in Karlsruhe ermordet. 2007 erfährt sein Sohn Michael Buback, dass für das Attentat die Falschen verurteilt wurden. 2010 wird das Verfahren vor dem Oberlandesgericht Stuttgart neu eröffnet, das frühere RAF-Mitglied Verena Becker wird wegen dreifachen Mordes angeklagt, dann lediglich wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Es bestätigt sich, dass Becker geheime Informantin des Verfassungsschutzes gewesen ist. Seit wann?
Autor Wolfgang Spielvogel hat den Prozessverlauf akribisch verfolgt und in dreizehn Gesänge gefasst.
Der Text deckt zahlreiche Ermittlungspannen auf: Nicht berücksichtigte Zeugenaussagen, verschwundene Asservate, Hinweise, denen nicht nachgegangen wurde. Er streift Gedankengänge persönlich Beteiligter und Beobachtender, springt zwischen Zitat und Dialog, Vers und Unterwanderung. Positionen werden eingenommen, wieder aufgelöst.
Eine Musikerin und eine Sprecherin wagen sich in das Spannungsfeld zwischen alltäglicher Sprache und Epik, Gesetzestext und innerem Monolog und begeben sich auf eine performative Recherche nach dem »war es nicht so?«. Beruhigend ist das nicht.
