Annika (Katharina Stark), die in München Informatik studiert, kehrt zum traditionellen Adventsessen der Familie nach Frankfurt zurück und muss erleben, wie sich nach einem freundlichen Empfang ein dramatischer Abend entwickelt. Denn es stellt sich später heraus, dass das vom Ruin bedrohte Geschäft von Stiefvater Thomas (Lukas Miko) bei der Einladung an seinen Geschäftspartner Martin (Christian Erdmann) im Hintergrund steht. Dessen moralisierende Partnerin Sarah (Valery Tscheplanowa) regt Annikas zynischen Onkel Detlef (Sebastian Rudolph) auf – und umgekehrt. Die festliche Stimmung ist vollends dahin, als ein Anschlag auf einen Frankfurter Innenstadt-Club gemeldet wird, in dem Annika ihre jüngere Schwester Maya (Zsa Zsa Hansen) vermutet, was sie aber zunächst für sich behält. Als sie damit herausrückt, ist Mutter Monika (Nicole Marischka) nicht mehr zu beruhigen.
Matthias Kreters »Ein Abend im Dezember« ist ein ideenreiches Familiendrama, dem etwas mehr Ironie gutgetan hätte. Die politischen Äußerungen wirken aufgesetzt, mindern aber nicht die Spannung, mit er man auf den Ausgang des Abends wartet. Der Film gehört zu den zehn ausgewählten Beiträgen des Regionalen Langfilmwettbewerbs, der die Vielfalt hiesiger Arbeiten dokumentieren soll.
Darunter sind die Spielfilme »Der Heimatlose«, ein Identitätsdrama von Kai Stänicke, und das in Frankfurt spielende Drama »Drei Leben lang« von Felicitas Korn. Mit »Redoubt« präsentiert der schwedische Künstler und Regisseur John Skoog, im Hauptberuf Professor an der Kunsthochschule Mainz, laut Ankündigung »eine hypnotische Parabel über Angst und Selbstbehauptung während des Kalten Krieges«. Der Darmstädter Regisseur Dennis Baumann erzählt in seinem Debüt »Sorry Momo« von einer jungen, einsamen Frau, die sich in ihrer Wohnung plötzlich mit ihrer Vergangenheit konfrontiert sieht.
Die Dokumentarfilme beschäftigen sich mit einer Videokunst-Pionierin (»Die Eulenspieglerin« von Sung-Hyung Cho), einer nordhessischen Metal-Band (»Fat Years of Fatmull« von Maxi Buck) und dem prominentesten hessischen Orchester (»Ensemble Modern – Why We Play«) von Thorsten Schütte. »I’m Not an Actor« von Aditya Kripalani verbindet Frankfurt mit Mumbai über eine digitale, persönliche Begegnung. »In Case We Never Meet Again« von Noaz Deshe schildert ein Familienleben zwischen Kanada und der Ukraine. Die Filme sind sämtlich im Rhein-Main-Gebiet und Hessen gedreht und/oder geschnitten, produziert oder koproduziert worden. Sieben Filme des Wettbewerbs wurden von Hessen Film & Medien gefördert.
In der Sektion Lichter Spezial läuft unter anderem das von der Offenbacher Firma Revnard Films koproduzierte Libanon-Liebesepos »A Sad and Beautiful World« sowie in Zusammenarbeit mit der ARD die Dokumentation »BONEY M: Disco. Macht. Legende.« über die von Frank Farian im Rhein-Main-Gebiet produzierte Disco-Formation. Jule Krachts einfühlsames Porträt »Das Knistern der Regenwürmer« zeigt Rüsselsheimer Kinder, wie sie Kunst und Bewegung entdecken, und als Kinopremiere die Webserie »IN SIDE: Bahnhofsviertel«, in der YouTuber Tomato lix (Felix Michels) Frankfurts Problemviertel beobachtet hat.
Neben regionalen Langfilmen präsentiert das Filmfest ein internationales Programm mit Filmen zum Thema »Kunst« von der Berlinale wie »Rose« von Markus Schleinzer mit Sandra Hüller, die den Silbernen Bären gewann, außerdem bundesdeutsche Highlights in der Sektion »Zukunft Deutscher Film« sowie Kurzfilme aus Hessen und dem Rhein-Main-Gebiet. Zu den über 100 Filmen in den verschiedenen Sektionen gesellen sich Videokunst beim Lichter Art Award und die Virtual-Reality-Produktionen des VR Storytelling Award.
Parallel dazu findet vom 29. April bis 2. Mai 2026 ein filmpolitischer Kongress zur Zukunft des deutschen Films statt, der Frankfurt erneut zu einem Ort für wichtige, filmkulturelle Debatten macht. Als Gäste des Festivals sind angekündigt: die Regisseure Faraz Shariat, Dominik Graf und Ulrich Köhler, die Schauspielerin Maren Eggert und der Kunsttheoretiker Bazon Brock, die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff, die frühere Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan, der Publizist Harald Welzer und die Produzentin, Regisseurin und Autorin Saralisa Volm – und ein DJ-Set von Lars Eidinger als besonderes Extra.
19. Lichter Filmfest Frankfurt International Vom 28. April bis 3. Mai 2026