Eine kleine Liebe zur Subversion – »Hidden History« im Frankfurter Kunstverein

Welche Geschichten erzählt und präsentiert Kunst und Kultur eigentlich, wo und für wen? Für einen ganzen Monat verwandelt sich der Frankfurter Kunstverein in eine vielgestaltige Bühne für solche Geschichten, allerdings solche, die sich abseits des Mainstreams entwickelt haben, und taucht ein in die subversiven Wellen unterhalb der anti-großbürgerlichen Formate und Setzungen.

Er versteht sich sozusagen als Protokollant des Nicht-Protokollierten. Kuratiert wird die Ausstellung von Heiner Blum, Professor an der HfG und Gründer des Diamant in Offenbach, dem Museum of Urban Culture. An der Schnittstelle von Atelier, Galerie und Musikclub hat sich in Frankfurt und in Offenbach ein ganzes Geflecht von kulturellen subversiven Strömungen entwickelt, denen hier ein Porträt gewidmet werden soll. Den Anfang macht – eine schöne Würdigung – die »Schmiere« von Rudolf Rolfs, der sich nach 1945 voller Engagement und Schärfe an die politische Abrechnung der Vor- und Kriegszeiten machte und im zerbombten Frankfurt einen Bauwagen zur Bühne umfunktionierte. Seine Tochter Effi wird einen solchen in den Kunstverein bringen und die Anfänge mitsamt Fotos und Flugblättern rekonstruieren. Und damit eine Brücke schlagen zu Annette Gloser (Galerie Fruchtig, Muttertag, Future Ship) die mit einem Campingwagen durch ganz Deutschland tourte und dort Sessions für Künstler*innen veranstaltete. Leonhard Kahlke schuf performative Installationen und Aktionen im öffentlichen Raum.

Der Tape-Art-Modern-Künstler Rushy Diamond hat zuletzt mit seinem urbanen Reallabor vom Momem an der B-Ebene Hauptwache für Furore gesorgt; im Kunstverein wird er Schulworkshops anbieten ebenso wie Oguz Sen, der mit Schüler*innen der Rudolf-Koch-Schule in Offenbach live Wandzeitungen und Wandgemälde schaffen wird.

Das Museum zu einem Ort der lebendigen Auseinandersetzung zu machen, Kunst zu schaffen mit Beteiligten, die sich üblicherweise abseits der Kunstpfade bewegen, durch Teilhabe künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten zu erforschen, ist das grundlegende Konzept, das sich mehr als permanente Performance und Wirkungsraum sieht denn als Ausstellung. Lectures, Gesprächsführungen, Konzerte und Performances ergänzen das Programm. Um den Besucher*innen die Möglichkeit zu geben, an möglichst vielen Veranstaltungen und Workshops teilzunehmen, ist der Eintrittspreis auf 5 Euro ermäßigt. Am Eröffnungsabend am 17. April wird die vielfach ausgezeichnete Choreografin und Tänzerin Honji Wang zwei Perfomances zeigen.

as / Bild: Rushy Diamond »Linienspiele«, 2022, Foto: Heiner Blum
Bis 17. Mai: Di.–So., 11–19 Uhr; Do., 11–21 Uhr
www.fkv.de

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