Zeitalter der Angst

Inmitten der vorösterlichen Musik-szene lässt das Opern- und Museumsorchester mit der Aufführung eines bedeutenden und sträflich vernachlässigten Werks der amerikanischen Nachkriegsszene aufhorchen: der Sinfonie »The Age of Anxiety« des damaligen Senkrechtstarters Leonard Bernstein. Es war die Zeit der aufkommenden »Beat generation« um die rebellischen Leitfiguren wie Allen Ginsberg, Jack Kerouac – und den englischen Dichter W. H. Auden. Der hatte, möglicherweise auf den Spuren des Walt Whitman, ein 80-seitiges Gedichtepos über das »Zeitalter der Angst« verfasst. Bernsteins einflussreicher Mentor Serge Koussevitzki, Chefdirigent des Boston Symphony Orchestra, gab ihm den Auftrag, in diesem Kontext eine Sinfonie zu schreiben.
Hintergrund des Versepos: Drei Männer und eine Frau sitzen an einer Bar, leicht angetrunken, und philosophieren über Entfremdung, ihre Ängste, den Sinn des Lebens und die Unsicherheiten der Nachkriegszeit. Bernstein gestaltete aus dem riesigen Poem W. H. Audens eine zweiteilige Sinfonie, wobei ein Klavier so etwas wie die Erzählerrolle übernimmt.
Prolog und sieben Variationen bilden den ersten Teil.
Der zweite Teil beginnt mit einem Klagelied, leitet über in einen fiktiven Maskenball (Bernstein verwendet Jazz-Elemente) und endet in einem Epilog, in dem der Pianist in der Urfassung von 1949 stumm den melancholisch verhallenden Klängen des musikalischen Poems nachlauscht.
Bernstein selbst äußerte zu dieser, seiner zweiten Sinfonie, sie sei die Essenz des Gedichts, die Schilderung unserer schwierigen und problematischen Suche nach Glauben.
GMD Thomas Guggeis am Pult des Orchesters beginnt das Konzert eher beschaulich mit Beethovens »Pastorale«; mit Kirill Gerstein am Klavier dürfen wir Aufwühlendes nach der Pause erwarten.

Bernd Havenstein / Foto: Kirill Gerstein, © Marco Borggreve
Termine: 8. März, 11 Uhr, und 9. März, 20 Uhr Alte Oper Frankfurt
www.alteoper.de 

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