Rasanter Wortwitz, Geschlechterkampf und schräge Figuren – darauf sollte man sich einstellen, wenn ein Stück als »Screwball-Comedy« angekündigt wird. So auch bei der Produktion »Glattteis oder: Wo die Liebe hinfällt«, die in diesem Monat in den Mainzer Kammerspielen Premiere feiert und im Stalburg Theater zu sehen ist.
Dem Regisseur und Autor Christoph Maasch darf man schon vorab zu dem absolut rutschfest gelungenen Titel gratulieren. Dass sich mit Léa Zehaf und Jochen Döring zwei Hochkaräter der lokalen Szene dafür nach allen Regeln der Schauspielkunst duellieren, erfüllt auch die beiden anderen Voraussetzungen dieser Art von Komödie.
Der Schauplatz könnte nicht minimalistischer sein: die Sitzbank einer frühmorgens wegen Glatteis verwaisten Bushaltestelle bei minus 15 Grad. Man wartet und wartet, Frau wie Mann. Dumm vor allem für Sie, die just an diesem Tag ein beruflich entscheidendes Treffen hat und deshalb verzweifelt versucht, telefonisch Bescheid zu geben. Lästig und irritierend dabei, dass Er mit Ihr ins Gespräch zu kommen sucht. Und mehr noch, dass Er Ihr aus ganz und gar nicht heiterem Himmel anträgt: »Ich möchte gerne mit Ihnen schlafen«. Urrgh!
Oder doch nicht urrgh? Das ist hier die Frage, ließe sich so viel Direktheit in einem weniger unterkühlten Umfeld doch auch als Kompliment verstehen. Bei minus 15 Grad freilich ist Sie so brüskiert, dass ihr das Handy aus den klammen Fingern gleitet und zerbirst. Und weil Er der nun Ausweglosen mit seinem Handy aushilft und kein Arschloch zu sein scheint, nimmt mit dem einsetzenden Dialog auch die Komödie Fahrt auf: ein verbaler Tanz auf umso glatterem Parkett und auf Augenhöhe, weil nun auch Sie ihr Gegenüber prüfend unter die Lupe nimmt – und dabei Unerhörtes erfährt.
Eine abstruse Geschichte? Auf jeden Fall. Aber doch kein bloßes Hirngespinst, selbst für Menschen, die nicht auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind. Man denke etwa an Woody Allen und Diane Keaton im Kultfilm »Annie Hall« (Der Stadtneurotiker). Beim kulturbeflissenen Gespräch der beiden über den Dächern von New York verraten Untertitel, was beide tatsächlich denken und mehr noch: voneinander wünschen an diesem Abend – unmissverständliche Fantasien, mit denen auch Christoph Maasch in seinem Stück die Grenzen des Sagbaren auslotet. Was darf man denn noch in den Zeiten von #MeToo? Und ist nicht der Flirt an sich schon übergriffig? Das Publikum darf sich auf eine Rutschpartie auf dünnem Eis freuen.
Christoph Maasch schickt Mann und Frau aufs »Glatteis« in Mainz und Frankfurt