Der Februar im jüdischen Museum

Der Golem und AI

Im Zeitalter der AI kommt  der Geschichte einer vom Menschen geschaffenen künstlichen Figur eine ganz besondere Bedeutung zu, und im Fall des Golem sogar noch eine mythisch-religiöse. Seit er im 16. Jahrhundert vermutlich von dem berühmten Rabbi Jehuda Löw aus Prag erschaffen wurde, seit Gustav Meyrink ihn 1913 ihn in einem Fortsetzungsroman zum literarischen Leben erweckte, seit Paul Wegener ihn in seinem Stummfilmklassiker „Der Golem oder wie er in die Welt kam“ sein Gesicht und seine Gestalt verlieh, ist dieses künstliche Wesen aus Lehm und Erde ein Synonym für Schutz und Hilfe geworden, vom Menschen selbst kreiert.

Die nun im Jüdischen Museum zu sehende szenische Collage „golem.ai“ verknüpft verschiedene Texte von Egon Erwin Kisch, Mirjam Pressler und Martin Vopenka zu einem literarischen Geflecht und konfrontiert es mit einem digitalen Echo Aleph, um die Spielräume auszuloten, die einer solchen Begegnung innewohnen. Die szenische Lesung begleitet der Klangkünstler und Elektronikmusiker Wolfram Spyra. Am 12.2. um 19 Uhr.

 

Buchpräsentation: „Die Suche der Töchter“

Eine Erinnerungslandschaft beim Wachsen zuzusehen, bzw. sie zu erlesen, ist das Ziel der Romanbiografie „Die Suche der Töchter“ von Frank A. Stern, die er in der folgenden Woche vorstellt. Er spürt darin der Geschichte einer Wiener Tuch-und Weinhändlerfamilie aus dem 17. Jahrhundert nach und öffnet dabei ein Zeit- und Ortspanorama über Generationen und Grenzen hinweg. Ihre Exponentin „die kleine Kronheim“ sammelt Geschichten, Erinnerungsstücke und Erzählungen ihrer weiblichen Vorfahren, ihrer Großmütter, Mütter und verwebt sie zu einem Panorama aus unterschiedlichen, auch widersprüchlichen  Perspektiven. Ein Buch über das Leben mit der Last des Überlebens. Der Autor wird gemeinsam mit seiner Tochter daraus lesen. Am 19.2. um 19 Uhr.

 

 „Am Anfang war Schmonzes“

Jetzt wird’s lustig. Alexander Estis sammelt und schreibt Anekdoten und Aphorismen, Glossen, Parabeln und Witze und erschafft damit einen literarischen Kosmos jüdischer Lebensweisheiten, die um Anarchie und Satire eigentlich nie drum herum kommen. Vorurteile und Klischees werden bedient und anschließend sofort wieder auseinandergenommen. Die größte Zielscheibe: Autorität. Oder, wie es das Jüdische Museum formuliert: Alexander Estis redet Tacheles, selbst wenn er Schmonzes erzählt.

Am 26.2. präsentiert er sein Buch „Am Anfang war Schmonzes. Jüdische Satiren“ im Gespräch mit Rifka Ainwojner um 19 Uhr.

as / Foto: © Miguletz
www.juedischesmuseum.de

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