Die Dresden Frankfurt Dance Company im Bockenheimer Depot

Kürzlich hatte Ioannis Mandafounis in Kooperation mit der Alten Oper ein paar Kulturfreunde in sein Trainingszentrum im Gebäude des Frankfurt LAB geladen. Der Künstlerische Leiter der Dresden Frankfurt Dance Company (DFDC) erklärte ihnen seine Vorgehensweise für die Stücke, die er mit seinem Ensemble erarbeitet, welchen Einfluss sein jahrelanges Kampfsporttraining darauf hat, und er holte auch Einzelne aus dem Publikum heraus, mit denen er Verblüffendes vorführte. Es ging um Kräfteverhältnisse und wie sie sich leicht verändern lassen, wenn man die Erwartung betrügt, und um Reaktionen auf bestimmte Situationen, die die Tänzer*innen üben, die aber doch jedes Mal wieder etwas anders ausfallen. So wie es der gebürtige Grieche mit seiner Truppe auf die verschiedenen Bühnen zu bringen pflegt.
In »Byways«, dem neuen Doppelabend der DFDC, der nach seiner Premiere in der sächsischen Landeshauptstadt nun auch ab 19. März in Frankfurt zu sehen sein wird, stellt Mandafounis in seinem eigenen Beitrag »Eins vor, zwei zurück« solcherlei Live-Improvisation der traditionellen Schule des klassischen Tanzes gegenüber. Jón Vallejo, Erster Solist des Semperoper Balletts, trifft dabei in einer Art Trainingsszene wie zufällig auf die Vertreter der etwas anderen Bewegungssprache. Man versucht sich zu verstehen, und schaut, ob man voneinander etwas lernen kann. Einzelne Besucher aus dem Publikum werden vorgeholt und bekommen für ein paar Minuten einen eigenen Tanz und Tänzer geschenkt; das erinnert an Mandafounis’ Stück »One, one, one«, bei dem ebenfalls Stühle von Zuschauern besetzt werden, die dann so lange etwas geboten bekommen, wie sie mit den Augen ihren Gegenüber verfolgen. Es wird miteinander experimentiert und reflektiert, Neues entwickelt, und es soll gezeigt werden, dass Tanz von hoher Qualität ganz anders als in der eigenen Vorstellung aussehen kann.
Mandafounis setzt mit dieser Inszenierung einerseits die Reise durch die Tanzgeschichte und den Brückenschlag in die Vergangenheit fort, die er für diese Saison angekündigt hatte. Aber auch die Entwicklung seiner Truppe. Nachdem er seine Technik in den Tänzer*innen manifestiert hat, sollen sie zunehmend auch mit anderen Choreografen arbeiten. Den Anfang machte in dieser Saison der Israeli Emanuel Gat. Diesmal hat der Chef eine Hälfte der Vorstellung der Australierin Rosalind Crisp überlassen. Diese gilt als eine der radikalsten Tanzkünstlerinnen ihrer Heimat und bringt den Pianisten Frédéric Blondy und sein Instrument mit. »Seen Unseen« heißt ihre Arbeit. Die Tänzer*innen tummeln sich dabei inmitten ihrer Beobachter, ohne dass sich eine spezielle Dramaturgie entfaltet. Die Anordnung der Gäste, die sich locker auf Bänken im Raum verteilt haben, lässt wiederum an den Workshop-Besuch denken. Nur dass diesmal nicht Mandafounis allein, sondern seine Künstler*innen den Fremden näher kommen und ihnen ein Gefühl davon vermitteln, wie sich die tägliche Herausforderung für Vertreter ihrer Zunft am Main heutzutage anfühlt.

Katja Sturm / Foto: Probenfoto »Eins vor, zwei zurück«
Jón Vallejo, Erster Solist des Semperoper Ballett
© De-Da Productions
Termine: 19. (Premiere), 21., 26.–28. März, 20 Uhr; 22., 29. März, 16 Uhr
www.dfdc.de

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