Auf der neu renovierten Caligari Filmbühne präsentiert das Wiesbadener exground-Filmfest an 10 Tagen erneut eine spannende Auswahl von Filmen abseits des kommerziellen Mainstreams.
Je trüber das Wetter, desto exground. Wenn es draußen novemberdunkelt, gehen im Caligari-Kino die Lichter an, und wir betreten eine Welt der Magie. Das verspricht zumindest das exground filmfest mit seinem diesjährigen Themenschwerpunkt »Kino ohne Grenzen«. Aus über 2.000 Einreichungen von unabhängigen Filmschaffenden haben die Kuratoren ca. 200 Filme aus aller Welt ausgewählt: Filme zwischen Traum und Wirklichkeit, Rausch und Delirium, in denen Utopien entworfen, die Grenzen des Menschseins und die Möglichkeiten des Mediums ausgetestet werden. Kurz: außergewöhnliche Werke, Entdeckungen garantiert.
Ganz in der Tradition des Independent-Filmfestes, das 1990 von sechs Filmbegeisterten als Festival für experimentelle Filme und Undergroundproduktionen gegründet wurde, steht »Krakatoa«, die psychedelische Odyssee eines javanischen Fischers nach einem Vulkanausbruch. Postapokalyptisch gestimmt ist auch »Mare‘s Nest«, in dem – inspiriert von einem Theaterstück von Don DeLillo – ein Kind in einer zerstörten Welt ausschließlich anderen Kindern begegnet und eine anarchische Utopie angedacht wird. Das Verschmelzen eines Künstlers mit seiner Kunstfigur demonstriert »Douglas Gordon By Douglas Gordon«, ein Porträt des schottischen Performancekünstlers.
Neben Avantgarde und Arthouse werden auch Oscar-Beiträge gezeigt. Der Thriller ۚ»Death has no Master«, in dem eine Frau – Asia Argento – die geerbte Kakaoplantage verkaufen will, die aber vom Personal besetzt wird, ist die offizielle Einreichung von Venezuela für den Auslands-Oscar. Der Horrorfilm »The Virgin of the Quarry Lake« erzählt vom sexuellen Erwachen eines Teenagers und ist Argentiniens Oscar-Kandidat für 2027. Zu sehen ist auch »Fjord«, in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet, ein Drama über eine rumänisch-norwegische Familie unter dem Verdacht der Kindesmisshandlung.
Das Forum »Youth Days« präsentiert Jugendfilme, darunter die schrullige Internatskomödie »Extra Geography«. Mit »Nekromatik« (1988) von Jörg Buttgereit zeigt das Festival einen Klassiker des Splatterfilms. Außerdem gibt es im Rahmenprogramm zwei Kurzfilmreihen mit historischen, bzw. zeitgenössischen Experimentalfilmen. Ergänzt wird das vielseitige Angebot von einer Masterclass, in dem das spanische Regieduo Helena Girón und Samuel M. Delgado Einblicke in die filmische Praxis gewährt, einer Lesung des deutsch-iranischen Schriftstellers Nassir Djafari, einer Fotoausstellung des Künstlerduos Distruktur, und Videokunst von Christian Naujoks. Nach einer Sanierungspause ist die Hauptspielstätte erneut die Caligari Filmbühne, außerdem das Murnau-Filmtheater, die Krypta der Marktkirche und das Frankfurter Uni-Kino Pupille.
