Tänzer, dessen Arm sich selbstständig zu machen scheint. Er schwingt, wenn er nicht festgehalten wird, kann hochgeworfen werden, um auf dem Kopf zu landen. Andere Männer kommen dazu, experimentieren auf ähnliche Weise mit den oberen Extremitäten. Dann verbindet sich das Quintett zu einer Gruppe, in der sich die Mitglieder gegenseitig beeinflussen. Ihr eigener Atem dominiert die Geräuschkulisse.
2002 hat William Forsythe das kammerspielartige Stück »N.N.N.N.« als Uraufführung auf die Bühne der Frankfurter Oper gebracht. Es sollte die vorletzte Saison des Amerikaners als Ballettdirektor im Städtischen Haus sein; sein Abschied stand bereits fest. Das humorvolle Spiel unter dem anonymen Titel wurde damals oft als Kommentar zur lokalen Kulturpolitik gedeutet, die es vorsah, das revolutionäre Ensemble zwei Jahre später aus Spargründen unterm eigenen Dach aufzulösen. Jetzt kehrt das Werk in der Version der Dresden Frankfurt Dance Company (DFDC) an seinen Schöpfungsort zurück. Zu sehen ist es an einem Doppelabend im Bockenheimer Depot mit dem Namen »Down the Road«, dessen zweiten Teil Cyril Baldy gestaltet. Der Franzose war selbst Teil der Originalbesetzung von »N.N.N.N.« und kombiniert dessen Neueinstudierung nun mit seiner eigenen Choreografie »Body Me«.
Beide Schöpfungen basieren auf einem improvisatorischen Prozess, der in präzise festgelegte Bewegungsfolgen gemündet ist. Wer das Forsythe-Stück kennt, weiß, dass die fein ausgetüftelten Umarmungen, Umklammerungen und Kettenreaktionen dies erfordern, sich die verschiedenen Körperstimmen aneinander anpassen müssen, um zu harmonieren. Baldy studiert die Möglichkeiten der individuellen Instrumente, indem er diese jeweils als Ausgangpunkt für die anderen nimmt. Die Bewegungen leiten sich voneinander ab, die Körper tauschen Informationen aus.
DFDC-Chef Ioannis Mandafounis setzt mit diesem Verknüpfen eines historischen mit einem aktuellen Werk die Weiterentwicklung seiner Truppe und die Suche nach Formen des improvisatorischen Arbeitens fort, das im Zentrum seines Schaffens steht. Forsythe-Fans dürfen sich darauf freuen, dass das Können des Meisters nach seiner angeblich finalen Komposition »Undertainment«, die er 2025 für die DFDC kreierte, weiterhin in der Stadt zu bewundern ist, die er im Tanz zu weltweitem Ruhm führte.
Die Dresden Frankfurt Dance Company mit »Down the Road« im Bockenheimer Depot