Jeffrey Lewis! Dieser New Yorker Comic-Zeichner und legendäre Antifolk-Musiker ist etwas ganz Besonderes: Mit seiner alten Akustikgitarre bestellt er einen Acker, in dem kauzige Vorbilder wie die Violent Femmes, Jonathan Richman, Adam Green oder Beck tiefe Fußstapfen hinterlassen haben. Die Tradition ist aber noch älter: Phil Ochs, Woody Guthrie, Robert Johnson und Bob Dylan sind Lewis’ Großväter-Generation, denen es wie dem New Yorker selbst nie um lupenreinen Klang ging.
Es war zwar kein wirklich neuer Einfall, das Debüt »The Last Time I Did Acid I Went Insane« bei offenem Fenster inklusive Straßenlärm auf einem alten Rekorder aufzunehmen, doch Klangverluste und eine ungemein originelle musikalische Archaik entsprechen einfach der Lower East Side-Philosophie des Künstlers. Lewis’ Stücke sind wie Tagebuchnotizen, hin gekritzelte »Beat Poetry«, hingeworfene, spontane, eher beiläufige Einfälle. Da stört kein falscher Griff, kein Schnarren der tiefen E-Saite, da fällt es kaum auf, dass Lewis’ klagendes Timbre so klingt wie aus einem alten Zeichentrickfilm. Sonor brummelnd, im Dauer-Redefluss.
Kaum verständlich sind die Verse versponnen-verspulter Songs wie »Williamsburg Will Oldham Horror«, »The Complete History of Punk«, »The History of The Fall«, »The Chelsea Hotel Oral Sex Song« oder »New Old Friends«, doch der 1975 in New York City geborene Lewis hat bei seinen Konzerten gelegentlich einige Zeichnungen dabei, die er »Low Budget Videos« nennt – die das gesungene Wort erklären helfen.
Jetzt ist der selbsternannte »working class musician« wieder mal auf Tournee. Das aktuelle Album »The EVEN MORE Freewheelin’ Jeffrey Lewis«, das 2025 erschienen ist, wurde in Nashville gemeinsam mit Produzent Roger Moutenot aufgenommen, der unter anderem bereits mit Yo La Tengo und Lou Reed gearbeitet hat. Die aktuelle Live-Besetzung von Jeffrey Lewis & The Voltage besteht neben Jeffrey Lewis aus Mallory Feuer an Violine und Keyboard, Kait Pelkey am Bass und Brent Cole, bekannt von The Moldy Peaches, am Schlagzeug.
»Jeffrey Lewis & The Voltage« in der Brotfabrik Frankfurt