Seit Jahren, erzählte Mirjam Wenzel auf der Jahrespressekonferenz, wollte sie unbedingt ein Projekt mit den Beastie Boys organisieren, den jüdischen Hip-Hop Jungs aus New York, die sich auch mit Kunst und Mode beschäftigten. Und nun hat sich das Projekt realisiert, denn Beastie Boy Mike Diamond hat gemeinsam mit der IMA Clique, dem Atelier Markgraph und dem jüdischen Museum in Frankfurt das interdisziplinäre Projekt Mishpocha entwickelt.
Mishpocha – und nicht etwa das oft abwertend konnotierte Mischpoke – heißt diese Ausstellung, die sich weit über die Museumsmauern hinein spreizen wird. Eine Lieblingsphilosophie des Museums, das seine Wirksamkeit gerne in die Stadträume hinein ausweitet. Der Untertitel – The Art of Collaboration – verrät die inhaltliche Ausrichtung: Mishpocha umschreibt im weitesten Sinne Familie – aber es geht hier nicht um die Herkunftsfamilie, sondern um communities, um kreatives Miteinander in künstlerischen Gruppen, um Verwirklichung von gemeinschaftlichen Konzepten, aber auch um Erinnerungen, die innerhalb der Familie weitergegeben werden und sich auch im kollektiven Lebenstraum manifestieren. Und darum, wie man Familie konstruiert oder ein familiengleiches Umfeld erschafft. Ein weites Feld wird hier durchmessen, und eines, das klassische Definitionen neu hinterfragt und ausweitet.
Das Ergebnis ist multimedial, um den verschiedensten Aspekten Raum zu bieten. Eine assoziative Soundinstallation wird die Ausstellung eröffnen, künstlerische Positionen zum Thema Familie, aber auch zu Verlust und Zugehörigkeit wird sie weiterführen. Zu sehen sind Konzeptkunst, Malerei und Videoinstallationen von u.a. Alica Khaet, Beatrice Moumdjian, Geoff McFetridge, Hetain Patel, Ira Eduardovna, Jan Zappner, Jessica Ostrowicz, Nirit Takele, Shimon Wanda und Tammy Ray Carland.
Der größte Raum der Ausstellung besteht aus einer interaktiven Multimedia-Installation, die in das Lebensgefühl verschiedener musikalischen Subkulturen eintaucht. Großflächige Projektionen und eindringlicher Sound machen Punk, die Riot Grrrls-Bewegung, Techno und Hip-Hop erfahrbar – Szenen, die für die Beastie Boys prägend waren. Im Mittelpunkt des Raumes befindet sich ein großes Mischpult, das dazu einlädt, den Sound, die Farbe und das Licht der immersiven 360-Grad-Installation mitzugestalten.
Der abschließende Raum wird wie ein Studio mit mehreren Mischpulten ausgestattet sein und zum Musikmachen animieren. Hier kann man seinen eigenen Sound zusammenstellen und mit anderen teilen. Und so eine kleine neue Mishpocha-Familien-Zelle entstehen lassen.
