Oper geht unter die Haut

Hart geht es her in der 2012 beim Festival in Aix-en-Provence uraufgeführten (und seither vielfach wieder inszenierten) Oper »Written on skin« des englischen Komponisten George Benjamin. Nach einer mittelalterlichen Legende eines anonymen Autors hat der englische Dramatiker Martin Crimp das Sujet durchaus drastisch in unsere Zeit versetzt. Der Protector (heute würde man vielleicht Patron sagen) könnte mit seinen Ländereien, seinem Reichtum und seinem Besitz, als den er auch seine Ehefrau betrachtet, mehr als zufrieden sein. Von einem jungen Maler lässt er sich Bilder anfertigen, nicht ahnend, dass Agnès eine intensive Affäre mit dem Künstler begonnen hat. Als das ruchbar wird, tötet der Gehörnte den Maler und verlangt von seiner Frau, bei einem gemeinsamen Mahl dessen Herz zu essen. Das Ende des Dramas könnte Puccinis »Tosca« entlehnt sein. Gleichzeitig ist es ein Mysterienspiel mit dem Engel, der sich als der Maler entpuppt sowie zwei weiteren Engeln, die dem Protector Alpträume bescheren.
Als Schüler des Mystikers Olivier Messiaen hat die Tonsprache Benjamins bei aller Sinnlichkeit durchaus auch scharfe Akzente, folgt der Handlung nicht etwa nur kommentierend, sondern ist zu jeder Zeit des etwa 1 1/2-stündigen Werks hochdramatisch, drängend, oft atemberaubend.
In Frankfurt wird der weltweit gefeierte dänische Bariton Bo Skovhus die Rolle des Protectors übernehmen. Erik Nielsen, an der Oper Frankfurt seit seiner Zeit als Kapellmeister 2008–12 in guter Erinnerung, wird das Ensemble durch die spannende Partitur führen.
»Written on skin«, auf die Haut geschrieben – geht unter die Haut.

Bernd Havenstein / Foto: Bo Skovhus (Bariton / Protector; Bildnachweis: Roland Unger)
Termine: 1. März (Premiere), 5., 7., 13., 15., 21., 29. März, Oper Frankfurt
Karten und Infos: www.oper-frankfurt.de/tickets oder Tel.: 069/212-49494

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