Die dunkle Bühne wird hell. Musik. Musik setzt ein. Zwei Frauen tanzen miteinander. Noch ist es nicht ganz hell, doch dann wird ein quadratisch ausgeleuchteter Raum sichtbar: Klassenzimmerstühle an den Wänden. Ein Stapel Bücher ganz im Vordergrund – es ist klar: Schule.
Dahin gehören auch die Tanzenden: Lehrerin Astrid und die (ehemalige) Schülerin Klara. Dürfen die das?
Das fragt sich und die Tanzenden auch der hinzugekommene Schulleiter Wolfram, der durch die im Hintergrund geöffnete Zimmertür eingetreten ist, von Astrid eingeladen zu einem …? Wo endet die Fürsorgepflicht? Ist lesbische Liebe erlaubt? Aufrechnung der Verfehlungen in der Hierarchie des Schulalltags bestimmten die Diskussionen. Von einem Elternteil alarmiert wurde der Verdacht auf Missbrauch – heutzutage schnell geäußert – einer damals noch Minderjährigen – Ellen Babić sei ihr Name – durch Astrid in den Raum gestellt. KO-Tropfen sollen im Spiel gewesen sein … Doch jetzt beginnt eine andere Ebene der Auseinandersetzung: Wer ist wofür zuständig? Was führt zu Prostitution und wer ist jetzt denn eigentlich wofür und für wen verantwortlich? Klara bleibt meisten außen vor. Relativ cool schenkt sie dem »Rivalen« dann doch einen nicht ganz so reinen Wein ein. Astrid flippt hingegen schon auch mal aus, wenn sie ihre Wut an den ausgelegten Turnmatten auslässt. Auf Ellen Babic wird gewartet wie auf Godot … aber auch sie kommt nicht …
Ein Sprechstück eigentlich mit wenig Handlung, doch Michaela Conrad als Astrid und Hans-Peter Schupp als Wolfram gelingt es mit ausdruckstarker Körperhaltung und Mimik die Emotionalität der Vergangenheit neu heraufzubeschwören. Eine Frau hat diese der feministischen Diskussion durchaus weiterhelfende Ebene bühnenwirksam gemacht: Bettina Kaminski. Die Darsteller lässig eingekleidet hat Ives Pancera und für die einfache aber ausdruckstarke Bühne zeichnet Linnan Zhang verantwortlich.
Ein starkes Stück von Marius von Mayenburg zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Rollenverhalten und der Übernahme von Verantwortung für die persönliche Lebensweise, gute Grundlage für alle entsprechenden Diskussionen.
Überlegen und ausdrucksvoll gespielt – ohne Pause – bleibt viel zur Diskussion der eigenen Beziehungen zurück. Hingehen.
Warten auf Ellen … – »Ellen Babic« beim Freien Schauspiel Ensemble