Aufbruch ins Unerhörte

Das hr-Sinfonieorchester hat erfreulicherweise mal wieder eine der »Lichtgestalten« (ich darf das sagen) der finnischen Dirigent*innen-Schmiede des Jorma Panula an der Sibelius-Akademie zu Helsinki zu Gast: Susanna Mälkki. Als (Solo-)Cellistin ist sie bei den Sinfonikern in Göteborg gestartet, um rasch herauszufinden, dass ihr der Rahmen innerhalb des Orchesters zu eng wird. Mit 33 Jahren wurde sie nach dem erwähnten Dirigierstudium Chefin des Orchesters in Stavanger, um danach als Spezialistin für zeitgenössische Musik an das berühmte Ensemble intercontemporain von Pierre Boulez nach Paris zu wechseln. Dort wurde sie Mitarbeiterin großer Musiktheater-Produktionen u.a. von ihrer weltberühmten Landsmännin Kaija Saariaho (1952–2023), von der sie u.a. die Opern »L´amour de loin« an der Met und »Innocence« in Aix-en-Provence« mit großem Erfolg uraufgeführt hat. Mälkki ist nahezu rastlos unterwegs als Chefin oder Gastdirigentin der Helsinki- und Los Angeles Philharmonic, bei Festspielen in Berlin oder Salzburg – und jetzt in Frankfurt!
Im Gepäck hat sie das Trompetenkonzert »Hush«, die letzte Komposition aus dem Todesjahr 2023 der viel zu früh gestorbenen Kaija Saariaho. In vier nachdenklichen, fast introvertierten, teils sphärischen Klängen scheint die Komponistin ihren eigenen Lebenslauf noch einmal zu beleuchten. Vom »Make the air sing« über einen »Traum vom Fallen« und von der »Frage: was fehlt dir« ist es nicht mehr weit bis zur endgültigen Stille, von Tinte geschrieben … (Ink the silcence).
Da ist das aushauchende »Hush«, der letzte Atemzug.
Wir dürfen das tiefgründige Werk mit dem hr-Sinfonieorchester erleben, mit dem finnischen Trompeter Verneri Pohjola und der Dirigentin Susanna Mälkki, die die Uraufführung posthum seither gemeinsam um die Welt tragen.
Nach der Pause Gustav Mahlers 1. Sinfonie, die im ersten Satz »wie ein Naturlaut« beginnen soll, vom »Hush« nicht weit weg.

Bernd Havenstein / Foto: © hr/Ben Knabe
Termine: 22., 23. Oktober (20 Uhr), Alte Oper Frankfurt, www.alteoper.de
hr-Ticketcenter 069/155-2000 und www.hr-ticketcenter.de

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