Aus Güterbahnhof wird Kunstzentrum – DAM Preis 2026 für die besten Bauten in/aus Deutschland

Auf seiner alljährlich stattfindenden Ausschreibung für die besten Bauten in Deutschland hat das Deutsche Architekturmuseum erneut ganz besondere, ideenstiftende Konzepte ausgewählt, die eine der Gemeinschaft dienende Architektur als Zukunftsperspektive ausweisen und nicht Aufsehen erregende aber schlussendlich selbstreferentielle Solitäre im urbanen Raum. Denn darum geht es in allen Entwürfen der fünf Finalisten, die jetzt in einer Ausstellung vorgestellt werden (und bei allen anderen, die ebenfalls auf der Longlist standen): Eine Schule ist darunter, ein Kulturzentrum, ein Mehrgenerationenhaus und ein Übernachtungsschutz mit medizinischer Betreuung für Obdachlose.
Die Kriterien der Jury, die die Gebäude auf einer Recherchereise kennenlernte, nennen keine bestimmte Einschränkung auf eine bestimmte Bautypologie, Mindestgröße oder Bausumme, doch eines hat sich als bestimmendes Moment herauskristallisiert: auf dem Feld der Wohnungsbauten geht es immer mehr um sich verändernde Lebensentwürfe, z.B. um den Bau von Mehrgenerationenhäusern sowie um die Weiterentwicklung konventioneller Grundrisse, um Sanieren und Umbauen. Umweltverträglicher Bestandsschutz spielt eine immer wichtigere Rolle. Auch hat die Anzahl der Holz- und Holzhybridbauten stark zugelegt. Ein weiteres Thema treibt um: vernachlässigte Ortskerne provozieren Verwahrlosung – wie kann man dem architektonisch entgegensteuern und ein neues lebendiges Zentrum schaffen?
Der Preis der Jury geht an exakt so ein Unterfangen: in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein KUNSTrePUBLIK in Berlin-Moabit haben Peter Grundmann Architekten die Lagerhalle eines ehemaligen eingeschossigen Güterbahnhofs in ein Kunstzentrum auf drei Stockwerken inklusive Dachterrasse verwandelt, das sich für viele Nutzungen eignet und durch eine luftige einladende Konstruktion besticht. Viel eigene Handarbeit war vonnöten bei einem gleichzeitig niedrigen Budget, das – und das wird mehrfach betont – auch nicht überschritten wurde.
Das ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik besteht nun aus der sorgsam sanierten Halle, die von einer Stahl-Glas-Konstruktion umhüllt wird, einem Gewölbekeller mit Platz für eine Ausstellungsfläche und eine Bar. Die Hülle sorgt gleichermaßen für Wärmeschutz und bildet im Erdgeschoss Foyer und Windfang sowie einen angeschlossenen Garten. Und die Halle ist als Veranstaltungsort und Bühne vorgesehen.
Die Jury jedenfalls zeigte sich begeistert: »Das ZK/U ist dank der behutsamen energetischen Sanierung und Bestandserweiterung ein Ort für die Gesellschaft wie Gemeinschaft geworden. Mit einer zeitgemäßen Architektur, die über die folgenden Jahre flexibel an den Bedarf angepasst werden kann, und öffentlichen Grünflächen zeigt das Projekt, wie Architektur der Ungleichheit entgegenwirken und sinnstiftend dem ›Wir‹ dienen kann.«, sagt Anna Moldenhauer. Und Peter Cachola Schmal, Direktor des DAM: »Peter Grundmann erfrischt und zeigt uns wieder die Möglichkeiten von Architektur und architektonischem Raum, Sinn zu stiften und Gemeinschaft zu feiern. Für wenig Geld, dafür aber mit sehr viel Mut, klarer Haltung und Optimismus.«

as / Bild: Peter Grundmann Architekten: ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin, Foto: Yizhi Wang
Bis 10. Mai: Di., Do.–So., 11–18 Uhr; Mi., 11–20 Uhr
www.dam-online.de

 

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