Historisches Drama am Staatstheater Darmstadt

Nach dem September-Start in die neue Saison 2026/27 mit dem beliebten Operndoppel »Cavalleria rusticana« und »Pagliacci« wartet im Oktober das Staatstheater Darmstadt mit einem weiteren veristischen Schmankerl auf: »Andrea Chénier« von Umberto Giordano. Die 1896 in der Mailänder Scala uraufgeführte Oper geriet, trotz enormen Erfolgs, danach eher an den Rand der Spielpläne – wohl auch wegen der seinerzeit übermächtigen Namen wie Puccini, Catalani, Leoncavallo. Und sicher auch, weil der launige Toscanini sich beharrlich weigerte, Giordanos Werke aufzuführen.
John Dew, von 2004 bis 2014 unkonventioneller und gefeierter Intendant des Staatstheaters, hat 1994 an der Deutschen Oper Berlin eine so eindrückliche Inszenierung abgeliefert, dass sie seither so etwas wie Maßstab ist und immer wieder auf die Bühne kam. Nun, nach über 30 Jahren wird sie in Darmstadt übernommen.
In der Ankündigung des Theaters ist die Handlung des »dramma di ambiente storico« (Drama vor historischem Hintergrund) sehr klug zusammengefasst: »Paris im Sommer 1794: Eine Stadt zittert unter der Schreckensherrschaft Robespierres. Wer vor wenigen Jahren noch auf rauschenden Bällen feierte, muss um sein Leben fürchten und im Untergrund leben, um nicht der Guillotine zum Opfer zu fallen. In dieser Atmosphäre der Angst wird auch der junge Dichter Andrea Chénier wegen seiner regimekritischen Äußerungen verfolgt. Als sich die Möglichkeit zur Flucht auftut, schlägt er sie aus – denn er hat sich in die unbekannte Briefschreiberin verliebt, die mit ihm korrespondiert. Als Chénier zum Tode verurteilt wird, beschließt seine Geliebte Maddalena mit ihm gemeinsam aufs Schafott zu gehen. Sie schmuggelt sich unter einem falschen Namen ins Gefängnis. Im Angesicht des nahenden Todes triumphiert die Liebe«.
Das Libretto stammt von Luigi Illica (dem auch das Sujet zu Puccinis »Tosca« zu verdanken ist) und hat, so schrieb der Berliner Kritiker Dieter David Scholz nach einer Wiederaufführung im Juni 2025, »unzweifelhaft literarische Qualitäten. Der Text bei der freiwilligen gemeinsamen Schafott-Besteigung Maddalenas und Chénier straft den »Liebestod« in Richard Wagners »Tristan« Lügen.«
Und: wenn GMD Daniel Cohen für die musikalische Gesamtleitung am Pult steht, wird ein großartiges Opernerlebnis zu erwarten sein.

Bernd Havenstein
Foto: »Andrea Chénier« ab 3.10.2026 im Staatstheater Darmstadt © Lilian Backes
Termine: 3. Oktober (Premiere), 23. und 25.10.26, 15.11. und 18.12.26
www.staatstheater-darmstadt.de

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