»Moscas – Fliegen und andere Gäste« von Fernando Eimbcke

Eine grantige Witwe vermietet ein Zimmer ihrer Wohnung an einen armen Mann, der seinen kleinen Sohn einschmuggelt – ein wie auf Zehenspitzen gedrehtes mexikanisches Arthouse-Drama, das auf der diesjährigen Berlinale u.a. mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet wurde.

Das Leben von Olga bewegt sich zwischen Fernsehcouch und Sudoku-Daddeln auf einem Uralt-Computer. Ihre Wohnung in einem Apartmenthaus in Mexico City verlässt sie nur, um in einem Imbiss essen zu gehen und dort die Besitzerin anzuknurren. Doch Olga braucht Geld für eine kleine Operation, das sie nicht hat. Wohl oder übel sieht sich die verwitwete Frau gezwungen, wie ihre Nachbarn ein Zimmer an Angehörige von Patienten des nahe gelegenen Krankenhauses unterzuvermieten. Es meldet sich Tulio, ein stiller, kleiner Mann, dessen krebskranke Ehefrau in der Klinik einer Chemotherapie unterzogen wird. Was Olga zunächst nicht mitbekommt, ist, dass Tulio nachts seinen kleinen Sohn Cristian mit ins Zimmer schmuggelt. Doch so diskret das Duo auch agiert, so dauert es nicht lange, bis Olga die beiden erwischt und rauswerfen will. Die zwei sind ihr so lästig wie jene Fliege in ihrer Wohnung, die sie seit Tagen umschwirrt. Tulio kann aber einen Aufschub erlangen und verschwindet schließlich, um einen Job anzunehmen. Zuvor bläut er Cristian ein, sich nur zwischen Wohnung und Imbiss zu bewegen, um Olga nicht noch mehr zu reizen …
Stattdessen versucht der quirlige Neunjährige jedes Schlupfloch zu nutzen um in die Klinik zu gelangen und seine Mutter zu besuchen, was er offiziell nicht darf. Seine Sehnsucht ist der rote Faden der Handlung, die zwar von weitem vorhersehbar, im Detail jedoch auf anregende Weise vertrackt ist. Auch die grimmige Olga, die sich meist mit Ohrstöpseln von ihrer Umgebung abkapselt, wird von dem aufgeweckten Bub in Beschlag genommen und aus ihrer Erstarrung gelockt. Indem sie ihm hilft, hilft sie sich selbst.
Regisseur Fernando Eimbcke wurde zu seinem in kunstvoll komponierten, schwarzweißen Bildern gedrehten Film unter anderem vom neorealistischen Klassiker »Fahraddiebe« und von Charlie Chaplin inspiriert. Das Vater-Sohn-Duo und auch Olga sind arme Schlucker, die jeden Peso zweimal umdrehen. Sie bewegen sich in einer kafkaesk trostlosen Welt. Doch auf seinen Expeditionen in die Großstadt entdeckt Cristian mit entwaffnendem Charme dennoch an unerwarteten Orten Gesten der Mitmenschlichkeit. Die Besessenheit, mit der er auf dem Handy und einem Arcade-Automaten Computergames zockt, bringt ihn sogar Olga näher.
Das ist nur eine der hübschen Volten in dieser zarten Tragikomödie, in der lakonischer Humor mit dezenten Hinweisen auf tragische Schicksale verwoben ist und, ebenso genau wie einfühlsam, dem Leben bei der Arbeit zugeschaut wird.

Birgit Roschy / Foto: © Kinotitlán
>>> TRAILER
Moscas – Fliegen und andere Gäste
von Fernando Eimbcke, MEX/E 2026, 102 Min., mit Teresita Sánchez, Bastian Escobar, Hugo Ramírez, Enrique Arreola
Drama, Komödie
Start: 22.10.2026

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