Riviera? Da denkt man an die Côte d‘Azur, an Ligurien, an einen Aperitivo unter Pinien und das Licht des Südens. Da denkt man an eine Küstenlandschaft, an Henri Matisse, F. Scott Fitzgerald, an Monaco oder Saint-Tropez. Und natürlich auch an Offenbach am Main. Denn dort ist seit 2018 das »Riviera Festival für Pop- und Clubkultur« beheimatet, das vor acht Jahren mit tollen Bands wie Die Radierer oder den leider aufgelösten Hildegard von Binge Drinking neues Leben in die Musiklandschaft von OF pustete.
Seitdem hat sich in Offenbach einiges getan: Denn hier ist das kreative Milieu merklich im Aufwind: Die Hochschule für Gestaltung genießt schon lange internationales Renommee. Die freie Kulturszene wächst kontinuierlich und ehemalige Industrieareale entwickeln sich zu spannenden Kultur-Orten. Offenbach mit seinem Wildwuchs aus Fabrikarchitektur des 19. Jahrhunderts, klassizistischen Villen, stellenweise reichlich abgerockter Nachkriegsarchitektur, Hafenkränen und neuen Investoren-Quartieren: Das steht heute immer mehr für eine coole Mischung aus Potential, Improvisation und Aufschwung, wie man es derzeit nur an wenigen Orten im Rhein-Main-Gebiet findet.
Ja, Offenbach steht gerade mal wieder für Veränderung und auch die »Riviera« am Main verändert sich: vor allem jetzt Anfang September, wenn Pop hier in Kooperation mit der World Design Capital und der Buchmesse Frankfurt als reichlich offene Kunstform verstanden wird, zu der auch eine Konferenz und Lesungen gehören. Spielorte sind das traditionsreiche MTW mit seiner Terrasse direkt am Main, der HafenCampus, wo ab 2027 das neue Gelände der HfG entsteht und der jetzt schon als temporärer Ort für die WDC genutzt wird – und schließlich der »Circle Cube« im neuen Rockywood im Kreativquartier am Hafen.
Und das ist der Sound der Offenbacher Riviera: Live zu sehen sind die Reggaeton-Künstlerin Chocolate Remix – oder Burnout Outwest aus Bremen mit Post-Street-Punk, »eine Band im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit«. Das Beat ist das Duo des kanadischen Musikers Alexander Cowan und der deutschen Sängerin und Performerin Eddie Rabenberger, die New Wave, EBM, Indie-Rock und Italo Disco durch den Wolf drehen.
Isolation Berlin waren mit ihrer wütenden Mischung aus Postpunk und Chanson schon vor zehn Jahren eine der besten Bands in Deutschland – und sie sind es immer noch. Auch live zu erleben sind Ae:ther mit atmosphärischer Electronica und House-DJ Dana Ruh, ebenfalls aus Berlin. Ein weiterer Höhepunkt in diesem Jahr ist die iranische Sängerin Faravaz, die in der Berliner Diaspora lebt und persische Klänge mit R&B, Pop und Hip-Hop verbindet. Und schließlich ist noch futurebae zu Gast, die zwischen Pop, Rap, Elektro und R’n’B ihr ganz eigenes Herzschmerz-Rave-Ding macht. Also, das ist die Offenbacher Riviera: Viel Lust am Experiment, an kultureller Vielfalt, an einem Fluss, der sich gerade mal wieder neu entdeckt.
Riviera? Offenbach! Das Riviera Festival für Pop- und Clubkultur