Wiesbaden: Das Hessische Staatsballett zeigt das Tanzdoppel »Horizonte«

Mehr als zwölf Monate hat das Hessische Staatsballett gebraucht, um sein Programm »Horizonte« vom Staatstheater Darmstadt in das nicht mal 50 Kilometer entfernt liegende Hessische Staatstheater Wiesbaden zu bringen. Jetzt ist es am zweiten Standort des Ensembles endlich angelangt. Und zweifach geht es weiter. Gezeigt wird ein Tanzdoppel aus zwei völlig unterschiedlichen Stücken. Das eine stammt von dem britischen Choreografen Alexander Whitley und heißt »The Butterfly Effect«. Das andere trägt die unverkennbare Signatur der Israelin Sharon Eyal und trägt den Titel »Untitled Black«.
Ersterer hat sich vom sogenannten »Schmetterlingseffekt« der Chaostheorie inspirieren lassen, demzufolge ein Flügelschlag dieses Insekts einen Hurrikan zu entfachen vermag. So leicht, wie dieses Kleintier durch die Luft schwebe, so leicht wirke auch das Spiel mit den Impulsen, dem sich die fünf Tänzerinnen und vier Tänzer hingeben, empfand in der Strandgut-Kritik im November 2020 unsere Expertin Katja Sturm den Auftritt: »In knittrig-glänzenden, locker sitzenden Hemden und Hosen von schwarzgrauer Farbe, erobern sie sich in kreiselnden Bewegungen den Raum. Wogende Linien, die sich bilden, schrumpfen wieder in der Mitte zusammen, um aus einem weiteren unsichtbaren Stups heraus neue Formen zu entfalten. (…) Eine Projektion, die sich mal vor die Tänzer legt und dann wieder über ihnen erscheint, hebt die Kettenreaktionen auf eine weitere Ebene.« Eingesetzt werde dazu eine Computertechnik, welche die Bewegung menschlicher Körper durch Kameras erfasst und in Daten transferiert. Die Tänzer sähen sich in Bewegungshologrammen widergespiegelt, vergrößert, verzerrt und in anderen Tempi agierend.
Sharon Eyal braucht dank ihrer Kultstücke mit Tanzmainz wie »Plafona« und »Soul Chain« hier kaum mehr vorgestellt zu werden. Das mit ihrem Partner Gai Behal kreierte »Untitled Black« entstand schon im Jahr 2012 und demonstriert zu den harten vibrierenden Beats von Ori Lichtik perfekt abgestimmte Bewegungsabläufe von 15 Tänzer*innen: »wie die Teilchen einer Maschine im Produktionsvorgang«, so Sturm. Die hautenge, glänzende Kostüme gehüllten Körper des Ensembles entführen uns mit einer Symbiose aus Licht, Musik und Bewegung in eine futuristisch anmutende Szenerie zwischen Aufbruch und Endzeitstimmung, heißt es offiziell zu dem was das Strandgut als »aufregenden Ausklang« eines inspirierenden Tanzabends resümiert.

gt (Foto: Untitled Black, © DeDa Production)

Termine: 2., 4. Dezember, 19.30 Uhr
(jeweils mit Einführung um 19 Uhr)
www.staatstheater-wiesbaden.de

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