Auf die Zukunft hoffen – 32. Africa Alive Filmfestival

Mit 26 spannenden Filmen von Marokko bis Kapstadt, vom Senegal bis Kenia und Abstechern nach Berlin und Paris präsentiert das traditionsreiche Frankfurter Filmfestival erneut eine riesige Bandbreite kreativen afrikanischen Filmschaffens. Schwerpunkte sind eine Retrospektive des vor kurzem verstorbenen Regisseur Souleymane Cissé und Filme aus dem Sudan. Dazu gibt’s ein Begleitprogramm mit Comics, Diskussionen, Musik, Tanzperformance, und dem beliebten Kinderfest als Abschluss.

»Meine Art zu leben ist es, an die Zukunft zu glauben; wenn ich Fatalist wäre, wäre ich nicht Filmemacher«, sagte Regisseur Souleymane Cissé. Der im Februar 2025 im Alter von 84 Jahren verstorbene Malier gilt als Vater des afrikanischen Kinos. Die 32. Ausgabe des Africa Alive Festivals ist diesem Pionier gewidmet. In einer Retrospektive sind vier Langspielfilme zu sehen, darunter sein in Bamako gedrehter Erstling »Den muso« (1975) über ein gehörloses Mädchen, das nach einer Vergewaltigung schwanger wird. Das in Cannes preisgekrönte Drama »Yeelen« (1987) erzählt in visionären Bildern von einem Vater-Sohn-Konflikt. Ergänzt wird die Filmreihe durch den Dokumentarfilm »Hommage d’une fille à son père« (2022), in dem Fatou Cissé das Leben ihres Vaters nachzeichnet. Fatou Cissé wird ihren, und die Filme ihres Vaters, auf dem Festival persönlich vorstellen.
Überhaupt wird auf dem diesjährigen Festival die Hoffnung, dass »die Zukunft weiblich ist«, von vielen Filmheldinnen gestützt. »Aischa Can’t Fly Away« etwa erzählt mit surrealer Färbung von einer jungen Sudanesin, die sich Pflegekraft in Kairo inmitten von Rassismus und Bandenkriegen durchschlägt. Der Dokumentarfilm »Haiyu« ist eine Hommage an die Sängerin Mariem Hassan, die für die Befreiung der Westsahara kämpfte. In »Cotton Queen« wird ein sudanesisches Mädchen zur Schlüsselfigur in einem Machtspiel um die Zukunft ihres Dorfes, das von Baumwollanbau abhängig ist.
Der vom Bürgerkrieg verwüstete Sudan ist zugleich Festivalschwerpunkt und wird auch in den aktuellen Dokumentarfilmen »Khartoum« und »Sudan, Remember Us«, zwei Langzeitbeobachtungen von Einwohnern und politischen Aktivisten, thematisiert. In einer Lesung beschreibt die im deutschen Exil lebende Schriftstellerin Stella Gaitano die derzeitigen Zustände im Sudan.
Noch kurz vor seinem Tode erinnerte Souleymane Cissé daran, dass Afrika »viele fähige junge Filmemacher hat. Doch es reicht nicht, Filme zu machen, sie müssen auch sichtbar gemacht werden«. Der chronischen Unterrepräsentation afrikanischer Filme im Kino abzuhelfen, ist die Aufgabe des Festivals. Neben brandaktuellen Gegenwartsfilmen wird im Programm der Bogen geschlagen zu Klassikern wie dem Politdrama »Bab El-Oued City« (1994); Filmen über Kolonialgeschichte wie die kongolesische Dokumentation »L’arbre de l’authenticité«, oder zu »Fanon«, ein Drama über die Zeit des antikolonialistischen Schriftstellers Frantz Fanon in Algerien. Der Berliner Künstler Lemohang Mosese nähert sich in seinem Filmgedicht »Ancestral Visions of the Future« mit mythisch aufgeladenen Bildern seiner Heimat Lesotho an. Neben Animations- und Kurzfilmen gibt es Comicpräsentationen und Diskussionsveranstaltungen.
Und was wäre ein afrikanisches Filmfest ohne Musik? Zum Eröffnungskonzert in der Brotfabrik präsentiert Melane, eine Sängerin mit kongolesischen Wurzeln, Afro-Rumba Soul und Jazz. Im Filmmuseum wird zur Festivalhalbzeit eine Tanzperformance der »Afrotudedancers« im Filmmuseum für Stimmung sorgen. Den Abschluss bildet wie gehabt das beliebte Kinderfest mit dem ADESA-Musiktheaterensemble.

Birgit Roschy / Foto: »Sudan, Remember Us«, © Verleih
32. Africa Alive Festival 2026, vom 29. Januar bis 22. Februar 2026.
Orte: DFF Filmmuseum, Filmforum Höchst, Afroton.
www.africa-alive-festival.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert