Barock am Main: »Die Schule der Frauen« nach Molière

Als das Festival »Barock am Main« vor 20 Jahren zum ersten Mal das Publikum mit hessischer Mundart zum Lachen brachte, da war es Molières »Schule der Frauen«, die Michael Quast und seine Truppe dafür geöffnet hatten. Mitgründer Wolfgang Deichsel hatte das Stück, in dem ein reicher Junggeselle ein Bauernkind in aller Abgeschiedenheit aufwachsen lässt, um es später noch unschuldig und unwissend zu seiner Frau zu machen, bereits Ende der 1960er-Jahre übersetzt und umgeschrieben. Im Theater am Turm wurde es am 25. November 1970 uraufgeführt, kritisch beäugt von lokalen Schauspielgrößen wie Liesel Christ und Günter Strack, wie Quast erinnert. Beide spielten später selbst in der Komödie mit.
In diesem runden Geburtstagsjahr holt das Ensemble der Frankfurter Volksbühne den Klassiker auf die eigenen Bretter zurück. In Zeiten des »Rollbacks«, des Zurückkehrens zu vermeintlich Vergangenem, habe es »eine neue Aktualität gewonnen«, sagt der Theaterleiter. Natürlich scheitert der Plan des Kaufmanns, sich die ideale Gattin zu züchten. Der Sohn eines Geschäftsfreundes verliebt sich in die holde Maid, die sich zudem, die Liebe entdeckend, als deutlich weniger naiv als vorgesehen erweist.
Zurück geht es für die karikierend geschminkten Darsteller mit den gepuderten Perücken und den üppigen Kostümen auch an den Schauplatz, an dem sie schon im vergangenen Jahr gastierten. Das Westcoast-Gelände direkt am Main in Griesheim, erneut, obgleich recht kurzfristig vom Standortentwickler Beos zur Verfügung gestellt, verbindet die »progressive Heimat- und Kulturpflege« mit Industriecharme und den auf dem Fluss vorbeischippernden Lastkähnen. Ein »einmaliges« Erlebnis, wie Quast schwärmt, das bei seiner Premiere sehr gut angenommen wurde. Die Autofahrer schätzen die Parkmöglichkeiten, während diejenigen, die den Linienbus bevorzugen, den letzten an den Abenden verpassen, wenn sie sich die Vorstellung zu Ende ansehen. 10.000 Besucher strömten damals heran; diesmal können es auch im besten Falle nicht ganz so viele werden. Zwar wurde eine größere, 530 Zuschauer fassende, leicht geschwungene Tribüne angeschafft. Und Quast verspricht, man werde niemanden wegschicken und notfalls noch einen Stuhl dazu stellen, sollten die Sitze nicht ausreichen. Doch die Spielzeit, die am 30. Mai beginnt, dauert nur bis 14. Juni an. Das genügt, um bei insgesamt 14 Vorstellungen maximal 8.800 Gäste unterzubringen.
Dennoch ist man froh, nach dem Ende des Aufenthalts vor der Porzellanmanufaktur wegen Anwohnerbeschwerden überhaupt eine Heimat zu haben. »Die Vielfalt und den Ausdruck der hessischen Mundart«, betont Quast, dürfe man nicht »den rechten Dumpfbacken überlassen«. Der Bolongaropalast, in dessen Garten einst alles anfing, wird weiterhin saniert. Quast möchte spätestens zu seinem 70. Geburtstag 2029 mit dem Festival nach Höchst zurückkehren. Oberbürgermeister Mike Josef macht dem Humoristen Hoffnung, das könne schon ein Jahr früher klappen. Das Schlösschen könnte gar schon 2027 seine Türen öffnen. Der Umbau der Grünanlage wird allerdings noch länger dauern. Bis dahin wäre ein Verbleib am Wasser den Komödianten genehm.

Katja Sturm / Foto: © Andreas Malkmus
Termine: 30. Mai, 20 Uhr (Premiere), 31. Mai, 16 Uhr und weiter im Juni
www.barock-am-main.com

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