»Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski« von Jean-Paul Salomé

Vielleicht liegt es am französischen Nationalstolz, dass der Name Jan Ceslaw Bojarski aus dem historischen Gedächtnis unserer Nachbarn nahezu verschwunden ist. Umso erfreulicher ist es deshalb, dass der französische Regisseur Jean-Paul Salomé, dessen amüsante Komödie »Eine Frau mit berauschenden Talenten« mit Isabelle Huppert auch in hiesigen Kinos erfolgreich lief, sich der Sache angenommen hat.

Denn die Geschichte ist so einzigartig und spektakulär, dass sie nach einer filmischen Dramatisierung geradezu gerufen hat. Bojarski, ein polnischer Flüchtling, den es ohne Staatsbürgerschaft nach Frankreich verschlagen hatte, wurde in den 1950er und 60er Jahren zum Schrecken der Banque de France, weil er Banknoten dermaßen fälschte, dass sie von den echten kaum zu unterscheiden waren. Wem es dennoch gelang, musste zugeben, dass sie schöner waren als ihre werthaltigen Vorbilder.
Reda Kateb, der als Betreuer autistischer Jugendlicher in »Alles außer gewöhnlich« Einfühlungsvermögen und Beharrlichkeit gezeigt hat, glänzt auch hier. Seinen Bojarski, »Cezanne der Geldfälscher« genannt, porträtiert der Film nicht als äußerst gefährlichen Schurken wie einst Friedkins grandioser Thriller »To Live and Die in L.A.« den dämonischen Eric Masters, den Willem Dafoe so unvergleichlich gab.
Katebs Held ist hingegen ein sympathischer Familienvater, der seine attraktive Frau Suzanne (Sara Giraudeau) liebt. Um sie zu schützen, verbirgt er seine Fälscherwerkstatt vor ihr und gibt seine Fahrten durch Frankreich, bei denen er seine Blüten vorsichtig unter die Leute bringt, als Kontakte zu seinen Auftraggebern aus.
Doch in Wahrheit hatte der Ingenieur ohne Pass keinen Erfolg. Niemand wolle die Erfindungen eines »Pollacken« haben, beklagt er sich. Er schließt sich einer kriminellen Bande an, die mit einem brutalen Überfall auf einen Transport von Geldscheinpapier in das Geschäft einsteigt. Seine Arbeit endet allerdings, als die Polizei auftaucht und die Bande die Papiervorräte in Brand steckt. Sowohl bei dem Überfall als auch bei der Aushebung der Fälscherfabrik kommen mehrere Beteiligte im Kugelhagel ums Leben.
Diese Szenen kann man als Kontrapunkt zu der sehr positiven Darstellung des Film-Bojarskis ansehen. Aber auch dessen gutem Willen, seine Familie zu schützen, sind Grenzen gesetzt. Suzanne beklagt sich, dass sie nicht erfährt, was ihr Mann wirklich treibt, und zwingt ihn zu einem Geständnis. Sie drängt ihn vergeblich zum Aufhören und verlässt ihn schließlich mit dem gemeinsamen Kind.
Bojarski sieht sich als großen Künstler und Erfinder, der seine gesamte Werkstatt selbst gebaut hat. Nachdem er nur knapp einer Verhaftung entkommen ist, wagt er in seiner Einsamkeit inkognito ein Gespräch mit seinem mächtigen Gegner, dem Kommissar Mattei (Bastien Bouillon).
Salomés spannender Film wirkt oft, als habe Melville einen Simenon-Roman verfilmt. So sorgfältig, auch in den Details, ist er inszeniert. Bezeichnend für diese Art von Geschichten ist, dass Bojarski schließlich gefasst wird, als er seinem polnischen Kumpel Anton (Pierre Lottin, bekannt aus Ozons Camus-Verfilmung »Der Fremde«) hilft, Schulden zu begleichen, und ihn zu seinem Mitarbeiter macht.
14 Jahre hat Bojarski die Grande Nation an der Nase herumgeführt. Umgerechnet 5 Mio. Euro hat er unters Volk gebracht. Sein 5.000-France-Schein »Land und Meer« und der 100er »Bonaparte« galten als Meisterwerke. Als er festgenommen wurde, bat er um eine Anstellung bei der Banque de France, damit in Zukunft schönere Geldscheine in Umlauf gebracht würden.

Claus Wecker
Foto: © 2025 Guy Ferrandis/Le Bureau Films/ Les Compagnons DuCinema/PROGRESS Filmverleih
>>> TRAILER
Der perfekte Schein – Der Fall Bojarski
von Jean-Paul Salomé, F 2025, 128 Min., mit Reda Kateb, Sara Giraudeau, Bastien Bouillon, Pierre Lottin, Quentin Dolmaire, Victor Poirier
Drama, Krimi. Start: 30.07.2026

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