Der Open-Air-Kinosommer in Frankfurt, Wiesbaden und dem Umland

Von Leonardo diCaprio über Humphrey Bogart bis hin zu Ryan Gosling, vom Main- über das Rheinufer bis hin zur Burg und zum Hochhausdach: der open air-Kinosommer in und um Frankfurt wird groß!

Einst wurde dort im Mordfall Rosemarie Nitribitt ermittelt, und in einer Zelle saß Andreas Baader. Zuletzt wurden im ausgemusterten Polizeipräsidium gern Horrorfilme gedreht. Der 1914 erbaute, denkmalgeschützte Gebäudekomplex in der Nähe des Hauptbahnhofs zählt zu den gänsehautträchtigsten »Lost Places« in Deutschland. Ob dort noch die Geister der Vergangenheit herumspuken, lässt sich im kommenden Freiluftkino-Event testen. Im Innenhof des Kulturdenkmals werden von Ende Juni bis Ende August, ausgewählt von den Machern des Frankfurter Lichter-Filmfestivals, die besten Filme der letzten Monate präsentiert. Zu sehen sind, in OmU, die Oscargewinner »Hamnet«, »Marty Supreme«, »One Battle After Another« mit Leonardo diCaprio und u.a. die deutschen Erfolgsfilme »Amrum« und »Extrawurst« mit Hape Kerkeling. Und im Beziehungsfilm »Das Drama« sind mit Zendaya und Robert Pattinson zwei derzeit mega-angesagte Schauspieler im Paar-Clinch zu sehen. Passend zur schaurigen Location läuft auch der brutal komische Retro-Krimi »Caught Stealing« von Darren Aronofsky, angesiedelt im New York der neunziger Jahre.
Apropos: Frankfurt ist die einzige deutsche Stadt mit einer echten Skyline. Wer immer schon mal wissen wollte, wie Mainhattan von ganz oben aussieht, darf bei den High Rise-Cinema-Filmnächten der Stadt aufs Dach steigen. Auf den Dachterrassen von Opernturm, Taunusturm, Skyline Plaza und Grünflächenamt lassen sich von Mitte Juli bis August, bestrahlt von Projektoren und vom 3 D-Sternenhimmel, die heißen Sommernächte aushalten. In dem, in den Vorjahren stets rasant ausverkauften, Programm finden sich aktuelle Kinohighlights und moderne Klassiker.
Die schönste Aussicht Frankfurts reklamiert indes das Haus am Dom auf dem Römerberg für sich. Mit Panoramablick auf neue Altstadt und Hochhauskulisse kann man dort auf der Dachterrasse vom 21. Juli bis 13. August täglich Kinofilme und Dokumentationen aus dem arthouse-Bereich sehen. Darunter etwa das vielgelobte französisch-türkische Drama »Mustang« über fünf Schwestern in der anatolischen Provinz, Jim Jarmuschs Tragikomödie »Paterson« mit Adam Driver, und die Öko-Dokumentation »Tomorrow«.
Der angesagteste unter den hübsch hässlichen Orten ist aber das Kulturzentrum Hafen 2 in Offenbach direkt am Main. Beim traditionellen Hafenkino open air laufen bis Ende August Oscar- und Independentfilme, darunter »Der Astronaut« mit Ryan Gosling und der deutsche Episodenfilm »Silent Friend«, in dessen Mittelpunkt ein Gingkobaum im Botanischen Garten von Marburg steht.
Noch entspannter als in den Liegestühlen am Offenbacher Mainufer geht es in Wiesbaden zu, wo man bei Sonnenuntergang auf dem Rasen der Reisinger Anlagen die Decke ausrollen sollte. In 12 Sommernächten werden, kostenlos, eine Handvoll von auf Festivals ausgezeichneten Filme präsentiert, davor gibt es jeweils einen Kurzfilm zu sehen. Auf dem Programm stehen etwa das vielgelobte deutsche Drama »In die Sonne schauen«, das Bob Dylan-Biopic »Like a Complete Unknown« und, für Mads Mikkelsen-Fans, die schwarze Komödie »Therapie für Wikinger«.
Näher am Wasser kann man nicht sein als beim SCHIFF open air Kino in Wiesbaden-Schierstein. In zehn Augustnächten werden auf der Hafen-Leinwand am glitzernden Rheinufer neben Oscarabräumern und dem Star Wars-Epos »The Mandalorian and Grogu« auch das kultige Abba-Musical »Mamma Mia!« gezeigt, in dem die singend herumtollende Meryl Streep garantiert für gute Laune sorgt.
Überhaupt gehen rund um die Mainmetropole die Kinolichter an. Open Air-Kinoabende gibt es im Bad Vilbeler Freibad, im Kurpark von Bad Homburg, in Dietzenbach, im Landgrafenschloss in Butzbach, im Park in Freigericht, in Burg Lindenfels, auf dem Rathausplatz von Mörfelden-Walldorf, in Weiterstadt im Braunshardter Tännchen, in Schloss Dornberg in Groß-Gerau und im Kurpark Bad Schwalbach.
Am längsten draußen Filme gucken, nämlich bis 5. September, kann man im südhessischen Seeheim-Jugenheim. Auf der Freilichtbühne sind u.a. die amerikanisch-japanische Tragikomödie »Rental Family«, die Musikbio »Springsteen« mit »The Bear«-Serienstar Jeremy Allen White, aber auch Klassiker wie »Psycho« und »Casablanca« im Programm. Besonders empfohlen sei der poetische Naturdokumentarfilm »Das Flüstern der Wälder«, gedreht in den Vogesen. Zusätzliches Plus: ein Biergarten.
Der wichtigste Darsteller im deutschen open air-Kino ist und bleibt aber das Wetter. Und da uns für 2026 bereits ein hitziger Super-El Nino vorhergesagt wurde, dürfte dem Filmgenuss nichts mehr im Wege stehen. Nichts wie raus!

Birgit Roschy
Foto: Freiluftkino Frankfurt, © Norbert Miguletz

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