»Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust« von Reem Kherici

Die Erfindung eines bahnbrechenden Sextoys lieferte die Inspiration für diese französische DIY-Komödie, in der eine Ehefrau mit ihrem Mann auf die Suche nach ihrem Orgasmus geht.

Wer erinnert sich noch an das Salatessen in der Liebeskomödie »Harry & Sally« (1989), bei dem Sally ihrem verblüfften Kumpel das Vortäuschen eines Orgasmus demonstriert? Seither wurden das Internet, der Rollkoffer, und LGBTQIA+ erfunden. Doch was das Mysterium des weiblichen Orgasmus betrifft, sind wir noch keinen Schritt weiter, wie diese aufgekratzte Komödie zeigt. Im Zentrum steht Fanny, eine Frau in den besten Jahren. Sie liebt ihren Mann, will aber nach 20 Ehejahren endlich wissen, was Sache ist. Angestiftet von ihrer Sextherapeutin beginnt sie eine Erkundungsreise durch die Welt weiblicher Lust, probiert Therapien und Sexspielzeuge. Der erste und wichtigste Schritt besteht aber darin, ihrem Mann Thomas reinen Wein einzuschenken. Er ist wie befürchtet am Boden zerstört, jedoch lernfähig.
Nachdem Thomas die handwerkliche Seite drauf hat und das Paar im siebten Himmel ist, kommt Fanny auf weitere Ideen. Wie wär’s mit einem Besuch im Swingerclub, einem Lover, enthemmenden Drogen? Thomas, ein genialer, jedoch arbeitsloser Erfinder, tüftelt aus eigenem Antrieb an der Lösung des Problems, mit Fanny als Versuchskaninchen. Dem Ingeniör ist nichts zu schwör.
In dieser Komödie sind die meisten Späße von weitem vorhersehbar. Das macht fast gar nichts. Der hier beklagte Missstand – 30 % aller Frauen, so die gebetsmühlenartig zitierte Statistik, hatten noch nie einen Orgasmus und spielen ihrem Partner etwas vor – ist so tabu- und schambeladen, dass sich die Witze wie von selbst schreiben, eigentlich. Da dies bisher aber kaum geschah, ist es umso erfreulicher, dass sich überhaupt jemand traut, und dass das Thema mit leichtherzigem Klamauk in all seinen Facetten tatsächlich ernst nimmt.
Alexandra Lamy als energiegeladene Fanny und François Cluzet als nerdiger Thomas kaspern sich mit enormem Sportsgeist durch ständige Demütigungen. Die temporeiche Inszenierung jagt das Paar durch burleske Alptraumsituationen und Gags, die buchstäblich ins Auge gehen. Dann wiederum wird einem die vielschichtige Problematik unerwartet feinfühlig und pädagogisch wertvoll serviert. Der Film verzichtet auf voyeuristische Nacktszenen und ist mehr fröhlich als obszön. Er adoptiert vorrangig die weibliche Perspektive, berücksichtigt aber auch die Sicht der Männer.
Regisseurin Reem Kherici, die zugleich den Part der exaltierten Sextherapeutin übernimmt und mit Lust ans Eingemachte geht, hat eine Mission. Sie will klarmachen, dass guter Sex ein Minnedienst von Männern an der geliebten Frau ist, einerseits. Zugleich ist der Film ein Plädoyer dafür, sein Glück in die eigenen Hände zu nehmen. Selbst ist die Frau!
Deutschen Zuschauern beschert die Komödie, die so »typisch französisch« und frivol daherkommt, am Ende die beste Pointe. Als Inspiration diente nämlich die Geschichte des bayerischen Erfinders Michael Lenke, der, mit seiner Frau Brigitte als Testerin, 2013 den »Womanizer« auf den Markt brachte – einen Druckwellenvibrator, der heute zu einem der meistverkauften Sextoys der Welt zählt.

Birgit Roschy / Foto: © Neue Visionen Filmverleih
>>> TRAILER
Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust (Pour le plaisir)
von Reem Kherici, F 2026, 90 Min.
mit Alexandra Lamy, François Cluzet, Reem Kherici, Mitty Hazanavicius, Delphine Baril, Kyan Khojandi
Komödie
Start: 23.07.2026

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