Fehlfarben am 21.11. in der Batschkapp

Im Jahr 2002 haben sich die Düsseldorfer Fehlfarben wiedervereinigt. Jene Band, die 22 Jahre zuvor ein Album veröffentlicht hatte, das vielen bis heute als das wichtigste der achtziger Jahre gilt: »Monarchie und Alltag« nannten sie ihr Debüt, ein paradoxer Titel für ein durch und durch ironisches, spöttisches und visionäres Werk der Popmusik, über das noch Dekaden später viel gesprochen wird.»Gegen Götter habe ich nichts«, sagt Jochen Distelmeyer, der frühere Sänger der Band Blumfeld, über die Düsseldorfer – und zählt Platten wie »Monarchie und Alltag« oder »33 Tage in Ketten« von 1981 zu seinen wichtigsten Einflüssen.
Seit 2002 haben die Fehlfarben einige hervorragende Alben aufgenommen, »Knietief im Dispo«, »Handbuch der Welt«, »Glücksmaschinen« und »Xenophonie« und »Über … Menschen«: Werke, die dem Hörer die Wut der älteren Männer sehr direkt injizieren. Neben altbekannten E-Gitarren-Schlägen ist es vor allem die Stimme von Peter Hein, die hier den Ton angibt – eine bissige, gallige, mürrische Stimme, die keinen Reim braucht. Diese Stimme erzählt uns bis heute von der Depression, vom Abschwung, von den Grauschleiern des Lebens.
Man sollte den nachgewachsenen Jung-Sängern aus Deutschland diese Band immer wieder unter ihre weichen Befindlichkeits-Pop-Kissen legen, denn beispielhaft wird hier vorgeführt: Lust an der Sprache, frischer Intellekt, scharfer Sarkasmus, Ironie, das Wissen um die Schönheit des rauen Glanzes, das Wissen vor allem, dass politische Themen im Pop weniger als Manifest überzeugen, denn als Poesie – als subjektiver, persönlicher Widerspruch.
Das Werk der Fehlfarben, das nun seit mehr als 40 Jahren überzeugt, ist heute tatsächlich ein Leuchtturm in einer ziemlich düsteren Nacht. Da, wo Pop heute oft kaum mehr Gefühle aufkommen lässt, als ein schwächlich-affirmatives »I like«, da setzen die Fehlfarben weiter auf Widerborstigkeit. Das ist Musik, die in ihrer Dringlichkeit besticht, in ihrer Ernsthaftigkeit – und vor allem in ihrer Fähigkeit, die Grenzen zwischen dem »Ich« und dem »Wir«, zwischen dem Persönlichen und dem Politischen durchlässiger zu machen. Jetzt ist die Band mal wieder in der Batschkapp zu Gast. Ihr jüngstes Lebenszeichen war übrigens die ganz hervorragende Coronavirus-Single »Supergen«, die in diesem Frühjahr erschienen ist. Ein klassischer Fehlfarben-Gassenhauer: »Ich will das Supergen, damit wird’s wunderschön!«

mp

So., 21.11., 20 Uhr, Batschkapp, Gwinnerstr. 5, 60388 Frankfurt, 069-95218410
www.batschkapp.de

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