Kenneth Hujers Interviewband bringt Frankfurt zum Sprechen. Er lässt die Stadt nicht beschreiben, sondern erzählt Geschichte über Geschichten – aus den Perspektiven von Menschen, die in Frankfurt gewirkt, die Stadt gestaltet, bewohnt oder herausgefordert haben. Die Bandbreite reicht von Literatur, Fotografie und Musik über Theater und Film bis hin zu Politik, Architektur und Psychoanalyse. So entsteht ein vielstimmiges Bild einer Stadt, die sich fortwährend wandelt.
Im Zentrum stehen elf große Gespräche mit Persönlichkeiten wie Eva Demski, Barbara Klemm, Klaus Walter, Daniel Cohn-Bendit, Karlheinz Braun und Timm Ulrichs. Sie öffnen ihre Archive, teilen Erinnerungen und Anekdoten und werfen zugleich Blicke auf das Frankfurt der Gegenwart: auf die veränderte Hochhausarchitektur, die Teilrekonstruktion der Altstadt, die Transformation kultureller Räume.
Besonders eindrücklich ist bei der Lektüre des Buchs, wie die Interviews miteinander zu sprechen beginnen. Themen und Motive tauchen wieder auf – manchmal zustimmend, manchmal widersprüchlich. So entsteht ein dialogisches Geflecht, das vor allem die Energie der 1960er bis 1980er Jahre neu beleuchtet: die politischen Aufbrüche, die ästhetischen Experimente, die konfliktreichen Debatten um Projekte wie Fassbinders Theaterstück »Der Müll, die Stadt und der Tod«. Die Gespräche verbinden dabei persönliche Erinnerungen mit kollektiven Erfahrungen und führen zugleich in die Gegenwart.
Das Buch ist keine Chronik, sondern ein Stadtplan aus Stimmen, wie Hujer im Vorwort schreibt. Jedes Gespräch öffnet einen anderen Zugang zur Stadt, einen anderen Resonanzraum. Im Zusammenspiel entsteht eine kartografische Bewegung, die Frankfurt nicht vermisst, sondern erfahrbar macht. Die Stadt zeigt sich darin als ein Gefüge aus Schichten, Konflikten und – ganz wichtig – Möglichkeitsräumen.
Frankfurt im Gespräch – »All das passierte in diesem irrsinnigen Milieu Frankfurt«