Mousonturm/Familie Montez: Sechs Duette aus Fabrice Mazliahs Manufactured Series

Das frühere Mitglied des Nederlands Dans Theaters und des Forsythe Balletts begegnet uns inzwischen vor allem als Bewegungsforscher und Choreograf. Im Mousonturm und beim Verein Lola Montez präsentiert Fabrice Mazliah nun die inzwischen sechs vollendeten seines auf zehn Arbeiten angelegten Langzeitprojekts »Manufactured Series«. Dabei tritt jeweils ein Co-Choreograf Mazliahs mit einem selbst gewählten nicht-menschlichen handgefertigten Objekt in einen tänzerischen Dialog. Was daraus jeweils entsteht ist in Dauer und Intensität von dem gewählten Gegenstand abhängig.
Die Performerin Émilia Giudicelli etwa bestreitet das Duett #4 mit einer selbst gefertigten Angelrute zum Fliegenfischen. In einer gut fünf Viertelstunden währenden Schau öffnet uns die Künstlerin einen nahezu meditativen Zugang zu ihrem Tun, das mit dem spitzfingrigen Herstellen der Köder beginnt, die uns an einem Werktisch gezeigt werden, und sich dann in einem Bodenakt fortsetzt. Auf zwei gegenüberliegenden Seiten lässt sich verfolgen, wie die Parkettbühne, auf der Giudicelli ihren unmittelbaren körperlichen Dialog auf mannigfache Weise mit ihrem Gerät aufnimmt, aus Wasserkanistern zwar nicht geflutet, aber immerhin nach und nach gewässert wird. Sie lässt die Angelrute über den Rücken rollen, hält sie mit den Zehen oder klemmt sie unter die Achseln. Dabei erzählt unsGiudicelli, wie sie in Schweden zum Angeln gekommen ist. Am Ende vollzieht sie auch das elegante Auswerfen der Leine.
Fliegenfischen, so kündigt der Mousonturm das Duett #4 an, bedeute, einem Ökosystem ganz genau zuzuhören: »einen Fisch zu fangen ist weniger Selbstzweck als vielmehr Resultat einer erfolgreichen ›Lektüre‹ des Wassers, der Vegetation und der Insekten des jeweiligen Feuchtbiotops. Die Rute dient dabei als Erweiterung des menschlichen Körpers, als Hebel aus Bambus und Schnur, mit der ein winziger Knoten, der die Fliege ist, auf die Wasseroberfläche geworfen wird. Die Fliegen – schillernde Köder – täuschen die Fische und queeren die noch immer hauptsächlich männlich geprägte Fischergemeinde mit ihren bunten Pailletten und Federn.«
Die kaum minder schillernden anderen fünf Duette bestreiten Katja Cheraneva und ein Thomas Wooden Radio, Tilman O’Donnell und eine Eschenbach-Porzellantasse, Elpida Orfanidou und eine pontischen Lyra (Premiere September 2019) und Michele Di Stefano mit dem Tagebuch von Andy Warhol im Mousonturm sowie Claire Vivianne Sobottke und die Sexpuppe Dolores im Kunstverein Familie Montez.

gt (Foto: © Jörg Baumann)

Duet #1– #5 Mousonturm:
3. bis 6. Februar zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Räumen .
Duet #6 Kunstverein Familie Montez:
3. bis 6. Februar zu verschiedenen Zeiten
www.mousonturm.de

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