Einen sanften, harmonischen Auftakt zur neuen Spielzeit verspricht Raffaele Irace, der Kurator des Tanzprogramms im Frankfurter Gallus Theater. Dank seiner guten Netzwerkarbeit ist es dem gebürtigen Italiener gelungen, das Odyssey Dance Theatre aus Singapur an den Main zu locken. Ein Engagement, das sich die kleine Bühne in der Kleyerstraße aus eigener Kraft nicht leisten könnte. Doch das Gastspiel der Asiaten wird komplett von ihnen selbst und ihrer Regierung finanziert. »12 Seasons«, so der Titel der Choreografie des Ensemblegründers Danny Tan, wird als multidisziplinäres Spektakel mit preisgekrönten Künstlern angekündigt, das zeitgenössischen Tanz mit Live-Musik, Installationskunst und visuellem Design verbindet. »Aber die machen keine Rockmusik«, betont Irace. Vielmehr erwarte das Publikum ein meditatives Erlebnis, das ihm die Antwort auf die Frage näherbringen soll, wie man Tanz in Fernost versteht. »Es existiert dort eine ganz andere Tanzästhetik«, erklärt der Experte. Dazu ein ausgeprägter Sinn für Natur und Balancen. Thema des Abends werde die Fragilität des Lebens insgesamt sein, jene der Menschen, aber auch die aller anderen Wesen, die bei einer Reise durch die vom Klimawandel geprägten Welt offensichtlich wird.
Vor den beiden Auftritten der internationalen Company am 18. und 19. September soll eine weitere Auflage des nun schon etablierten Formats »AfterworKultur« auch denen am 15. September Lust auf Tanz machen, die bislang noch wenige Berührungspunkte mit dieser Kunstform hatten, aber neugierig darauf sind. Unter dem Titel »Tanz, Freiheit und Zusammenhalt« präsentiert und kommentiert das EDGE Dance Project aus Mainz Ausschnitte aus »The Flappers«, einem Stück über die modernen Frauen der 1920er-Jahre, die sich mit kurzen Röcken und Bob-Frisuren gegen Konventionen stemmten und ein neues weibliches Rollenbild entwickelten.
Auf seiner Tour durch die Szene hat Irace das Frauen-Quintett, das das Werk entwickelt hat und aufführt, sehr beeindruckt. In der heutigen Zeit ein freies Tanzensemble zu gründen, sei mutig und erfordere großen Zusammenhalt. Irace weiß nur zu gut, wovon er spricht. Mit seinem Verein Freigetanzt versucht er, neue, starke Akzente zu setzen und das in den vergangenen Jahrzehnten deutlich geschrumpfte Tanzangebot in der hessischen Großstadt bestmöglich zu ergänzen, indem er neue Formate Innovatives ausprobiert und Bewährtes pflegt. Zuletzt war er dabei jedoch an finanzielle Grenzen gestoßen, arbeitete oft ehrenamtlich und stand vor der Frage, wie lange er diesen Einsatz für seine Leidenschaft in dieser Form noch aufrechterhalten könnte. Dass er nun erstmals bei der institutionellen Kulturförderung der Stadt berücksichtigt wurde und im Zeitraum 2027 bis 2029 mit jeweils 40 000 Euro pro Jahr unterstützt wird, ermöglicht es Irace nicht nur, auf seinem eingeschlagenen Weg weiterzumachen und weitere Ideen zu entwickeln. Er deutet den Rückhalt der Stadt auch als Zeichen der Wertschätzung und Signal dafür, »dass wir gesehen werden«. Zudem geht er davon aus, dass es auf dieser Basis, die eine längerfristige Planung ermöglicht, einfacher wird, weitere Fördersummen zu akquirieren. Ein Besuch aus Asien wird aber sicher die große Ausnahme bleiben.