Prekäre Verhältnisse – Staatstheater Mainz eröffnet mit »Woyzeck/Marie« nach Büchner

Frauen, Frauen. Nicht nur am Schauspiel Frankfurt, wo die aktuelle Spielzeit vorzüglich in Frauenregie bestritten wird, sind lila Zeiten angesagt. Mit einem weiblichen Blick auf Georg Büchners Dramenfragment »Woyzeck« setzt auch das Staatstheater Mainz zur Saisoneröffnung ein deutliches Zeichen. Die zuletzt in München am Residenztheater und am Volkstheater erfolgreiche Regisseurin Mirjam Loibl weist schon im Titel ihrer Inszenierung »Woyzeck/Marie« auf ihre dem Original nur bedingt folgende Lesart, indem sie die Rolle der Partnerin des Wehrmannes Franz neu- und gleichgewichtet.
Überdies verspricht die Ankündigung für Loibls Mainzer Debüt auch einen zeitgemäßen Zugriff unter sozialen Vorzeichen: »Woyzeck und Marie sind Eltern eines Kindes. Beide arbeiten, sind sich für keinerlei Tätigkeit zu schade und trotzdem ist kein Auskommen mit dem wenigen Geld, das sie damit verdienen. Sogar auf medizinische Experimente an ihren Körpern lassen sie sich ein, um ihrer Familie einen Unterhalt zu gewährleisten, doch es reicht hinten und vorne nicht. Zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben, so könnte man die Situation der beiden beschreiben und damit könnten Woyzecks und Maries Probleme heutiger nicht sein, da Herkunft und soziale Schicht immer noch den Zugang zu Bildung und damit die Möglichkeiten auf ein gesichertes Einkommen bestimmen und die Zugehörigkeit zu sozialen Schichten spätestens seit der Pandemie umso zementierter erscheint.«
Im Zentrum des Spiels stehen Katharina Uhland und Daniel Mutlu, außerdem mit dabei sind Dennis Larich (Hauptmann) Leandra Enders (Arzt), Benjamin Kaygun (Tambourmajor) und Lennart Klappstein (Andres).

gt / Foto: © Andreas Etter
Termine: 23. September, 19.30 Uhr, weitere im Oktober
www.staatstheater-mainz.com

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