Das Kellertheater zeigt »Das Ende des Regens« von Andrew Bovell

Es beginnt mit einem Fisch, der vom Himmel fällt. Mitten in der australischen Wüstenstadt Alice Springs, im Dauerregen des Jahres 2039. Fischmahlzeiten können sich da nur noch die Reichen leisten. Ein düsteres Bild von der Zukunft malt uns Andrew Bovell in seinem Drama »Vom Ende des Regens«, das nun wieder im Kellertheater zu sehen ist, die Premiere dort gab im Juni vergangenen Jahres. Vor gut zehn Jahren wurde das 2008 in Adelaide uraufgeführte Stück schon am Staatstheater Darmstadt gespielt. Seltsam nur, dass es nicht öfter zu sehen ist, gelingt dem Autor doch eine so berührende wie fesselnde Geschichte um Verbrechen, Schuld und Verhängnis, aber auch um einsame Menschen und ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit in einer von Naturkatastrophen gebeutelten Welt. Dass dabei ein Fisch vom Himmel fällt ist trotz all der reichlich verwendeten religiösen Konnotationen des Plots kein himmlisches, sondern ein reales meteorologisches Phänomen und Wetterturbulenzen geschuldet. Bovell ist auch der Autor von »Dinge, die ich sicher weiß«, mit dem das Fritz-Rémond-Theater im Juli seine Finissage bestritt.
Nun aber zur Handlung, die der ziemlich heruntergekommen alleinlebende Gabriel mit einem großen Monolog eröffnet. Für den Spätvierziger kommt der ausgespuckte Festschmaus zur rechten Zeit, will ihn doch völlig überraschend sein Sohn Andrew besuchen, mehr als 20 Jahre nachdem er seine Frau Eliza und diesen, das gemeinsame Kind, verließ. Gabriel ist keineswegs der einzige Mann, der seine Familie verlässt in der 80 Jahre (1959–2039), vier Generationen und zwei Kontinente umspannenden verschachtelte Familiensaga, die Bovell episodisch in permanenten Zeitsprünge mit insgesamt neun Figuren entfaltet. Immer und überall regnet es, und immer wieder sitzt man zu Tisch, um Fischsuppe zu löffeln und zu reden. Oft aneinander vorbei. Mit jeder Episode entwirrt sich das zunächst sehr komplex scheinende Geflecht mehr, taucht man tiefer in eine final mystisch aufgeladen am heiligen Berg Uluru, dem Ayers Rock, mündende Geschichte.
»Das Ende des Regens« entwickelt durch seine griffige Sprache einen Sog, der das Bühnengeschehen zu einem regelrechten Thriller reifen lässt. Zugleich ist es aber auch ein Ensemblestück, das die sich als Amateurtheater verstehende Bühne in der Mainstraße mit großem Personal bestreiten kann – was unter der Regie von Tommy Steinkopff denn auch trefflich gelingt. Nur ein paar Stühle und drei zusammengerückte kleine Tische stehen auf der weitgehend kahlen Bühne, dafür bildet eine filmisch bespielte Leinwand den Hintergrund, auf die, akustisch von Regenprasseln untermalt, graue Fensteraussichten aber auch gezeichnete Animationen etwa von Fischen projiziert werden (Videos: Wolfgang Sterker). Und von Szene zu Szene das Jahr, in das diese uns versetzen. Hervorheben, darf man eigentlich niemanden aus diesem mit Verve agierenden Ensemble, das bei der Wiederaufnahme zwei Neubesetzungen vornimmt.
Das mit zunächst drei Aufführungen wiederaufgenommene Stück kam als gemeinsames Projekt des Kellertheaters und des Ensembles »Theatre4You« des im vergangenen Mai noch vor der Fertigstellung verstorbenen Regisseurs Michael Gonszar zustande und ist dem über viele, viele Jahre in Frankfurt wirkenden Theatermann auch gewidmet. Gonszar leitete lange das Jugendtheater am English Theatre Frankfurt und schuf danach das Projekt »Theatre4You«, von dem ein Teil der Darsteller*innen kommt. Zuletzt besprach Susanne Asal für das Strandgut im Juni 2021 seine Inszenierung »Kassandras Traum« im Gallus Theater.

Winnie Geipert / Foto: © Anja Kühn
Termine: 16. und 17. Februar, 20.30 Uhr;  18. Februar, 18 Uhr
www.kellertheater-frankfurt.de

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