Adelante! Vorwärts! heißt das chilenische Theaterfestival, das bislang von Heidelberg ausgerichtet wurde und nun vom kommenden Jahr an vom Staatstheater Darmstadt betreut wird, nicht umsonst.
Theater in Chile – das ist kein städtisch, kein staatlich subventionierter Betrieb für das obere Bürgertum mit jahrhundertelanger Tradition, Adlige gab es nach der Unabhängigkeit in diesem Sinne sowieso nicht, die Stücke, Lustspiele etc. in Auftrag geben konnten, sondern es ist eher in einer aufklärerischen Anti-Bewegung zu verorten, die sich auch Impulse des Straßentheaters einverleibt. Es lebt im Wesentlichen von der chronisch unterfinanzierten freien Szene. Neben Boulevard und der Aufführung von Klassikern hat sich auch politisches Theater durchgesetzt, hat sich Theater oft auch als moralische Instanz verstanden. Die anerkanntesten Bühnen sind die universitären, die Universidad Católica und Universidad de Chile in Santiago beispielsweise, die oft keine festen Spielorte haben, sondern in Kultur-Sälen gastieren.
Mit dem Festival 2027, das Chile als Gastland der Frankfurter Buchmesse begleiten wird, verknüpfen sich nun einige Fragen: Im Land regiert seit 2026 der ultrarechte José Antonio Kast, der sämtliche progressiven Gesetze, die seine sozialdemokratischen, christdemokratischen oder sozialistischen Vorgänger-Regierungen verabschiedet hatten, einkassiert und ähnlich einem Vorbild Donald Trump Kulturinstitutionen, die ihm nicht genehm sind, die Mittel streicht. Wie wird sich da das hoch renommierte Festival Teatro a Mil, Partner des Adelante, weiter entwickeln, positionieren? lona Goyeneche, Kuratorin: »Seit dem Amtsantritt von José Antonio Kast gab es massive Kürzungen im Etat des Kulturministeriums des Landes, die Auswirkungen auf die Finanzsituation des Festivals Teatro A Mil haben werden. Wir rechnen damit, dass wir bei unserer Scoutingtätigkeit im Januar 2027 erleben werden, wie genau die Theaterschaffenden inhaltlich und strukturell mit dieser Situation umgehen werden. In Chile spielt die Theaterbühne als politisches Medium eine große Rolle, daher gehen wir davon aus, dass die Auseinandersetzung der Künstler*innen auch auf der Bühne sehr präsent stattfinden wird. Es kann sein, dass sich das thematisch auch in den Inszenierungen unserer Auswahl für das ¡Adelante!-Festival widerspiegeln wird. Möglicherweise werden wir auch ein Diskussionsformat dazu anbieten.«
Und Deborah Raulin, künstlerische Leiterin des Festivals: »Wir haben in der laufenden Festivalvorbereitung im Moment den Eindruck, dass das Teatro A Mil-Festival in der kommenden Ausgabe vermehrt auf internationale Koproduktionen setzt, nicht nur, weil sie Sparmaßnahmen unterliegen, sondern auch damit sie den Blick auf- und den Anschluss an die Welt nicht verlieren.«
Dranbleiben!
Das Staatstheater Darmstadt übernimmt das chilenische Festival »Adelante«