Seit die Besitzerin des »Cafe Iimori«, Azuki Iimori, im Jahr 2022 schräg gegenüber des spanischen Klassikers »Centro Gallego« einen Lagerkellerraum für ihren asiatischen Supermarkt anmietete, ist nicht viel Zeit vergangen, aber in dieser Zeit hat sich ein Stückchen Welt neu geordnet: ein Teil der ehemaligen Frankfurter Judengasse ist dem Stadtleben auf spektakuläre Art zurück gewonnen worden, Verschüttetes wurde gehoben, sichtbar für alle. Praktisch im Rücken der ehemaligen großen Synagoge erhielten sich Reste von Wohnungen, es ließen sich originale Verläufe der Judengasse rekonstruieren.
Der Frankfurter Joseph Maria Rindskopf erbaute sein steinernes Haus, den »Goldenen Apfel«, am nördlichen Ende der Judengasse im Jahr 1809. Später gab es dort eine hebräische Buchhandlung und einen Verlag, bevor der Gewürzhändler Alsbach es Anfang des 20. Jhr. erwarb. Der Gewölbekeller, der sich darunter ausbreitete, wurde nun in dieser kurzen Zeitspanne zu einem spannenden Museumsort verwandelt, der anhand von zahlreichen Exponaten und fotografischem Material die Geschichte der Emanzipation der Frankfurter Juden nachvollzieht. Zusätzlich entwarfen Meitar Tewel und Marc Grellert ein virtuelles Modell des Straßenabschnitts, der dem ursprünglichen Verlauf in der Judengasse folgt, und versetzen uns in das Jahr 1861. Ein Fotofilm begleitet die Betrachter*innen durch die Gasse mit all ihrem Leben und ihren Bewohnern, die Häuser sind den ehemaligen nachempfunden. Ebenso hat Marc Grellert in seinem Film eine digitale Rekonstruktion der prachtvollen Hauptsynagoge aus dem Jahr 1860 erstellt.
Der neueste Clou des Museums heißt Realtalk. Es porträtiert anhand von verschiedenen Ankerfiguren die unterschiedlichen Positionen, Lebensweisen, Lebensträume des gerade als gleichgestellte Bürger anerkannten Juden, die uns mit in ihre KI- Welt von 1864 in die Frankfurter Judengasse nehmen und sich Fragen stellen lassen. Ein lohnendes, spannendes Unterfangen. Realtalk lässt sich übrigens überall abrufen und verfolgen, einfach die App herunterladen. Ihn im »Goldenen Apfel« zu erleben, macht das Ganze allerdings um Vieles authentischer.
Eine immersive Installation im »Goldenen Apfel«, Museum Judengasse